Marcel Fratzscher: Mehr Gleichstellung – das ist auch gut für die Demografie
Deutschlands niedrige Geburtenrate ist kein individuelles Problem. Es genügt nicht, höhere Einkommen für Eltern zu fordern. Es braucht eine radikale Gleichstellung.'... Frauen in Deutschland leisten pro Jahr rund 72 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit, fast zwei Drittel mehr als Männer. Diese Zeit fehlt am Arbeitsmarkt – und damit auch im Wirtschaftskreislauf. Mehr Gleichstellung ist also nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern ein Schlüssel zur Sicherung von Wohlstand und sozialer Stabilität. ...'
'... Erstens müsste das Steuer- und Transfersystem reformiert werden. Das Ehegattensplitting ist ein Relikt der 1950er-Jahre. Es begünstigt das Modell des männlichen Hauptverdieners und hält viele Frauen in Teilzeit. Eine Reform hin zu einem Familiensplitting oder zu einer individuellen Besteuerung würde Erwerbsanreize für beide Partner schaffen. ...'
'... Die Geburtenrate wird nur steigen, wenn Menschen die Lebensmodelle verwirklichen können, die sie sich wünschen. Frauen wollen weder auf Kinder noch auf Karriere verzichten – und Männer wollen zunehmend Väter sein, nicht nur Ernährer. Doch solange die Strukturen sie daran hindern, bleibt der demografische Wandel ungebremst. ...'
'... Wer Frauen die Teilhabe erleichtert, stabilisiert die Sozialsysteme. Und wer Männern erlaubt, fürsorglicher zu sein, stärkt Familien und sozialen Zusammenhalt. ...'

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