allen Menschen individuell zustehendes und garantiertes,
in existenzsichernder Höhe (Armut verhindernd, gesellschaftliche Teilnahme ermöglichend),
ohne Bedürftigkeitsprüfung (Einkommens- / Vermögensprüfung),
ohne Arbeitszwang und -verpflichtung bzw. Tätigkeitszwang und -verpflichtung
vom Staat ausgezahltes Grund-Einkommen. Weitere Einkommen sind anrechnungsfrei möglich.
Alle genannten Kriterien kennzeichnen das Grundeinkommen als ein bedingungsloses.
Es gibt schlicht und ergreifend keine Bedingung für den Bezug des Grundeinkommens.
Dadurch unterscheidet sich ein Grundeinkommen von einer Grund- oder Mindestsicherung.
Ein Grundeinkommen ist kein sozialpolitisches Projekt,
welches versucht, Marktdefekte zu reparieren.
Es ist ein Projekt für mehr Freiheit, Demokratie und Menschenwürde.
Es weist über die bestehende Gesellschaft hinaus.
[...] Ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist zu ergänzen durch das Recht auf Unterbrechung der Arbeit, auf kostenfreien
Zugang zu öffentlichen Gütern (Mobilität, Bildung, Kultur, Gesundheitsprävention und -versorgung usw.), auf
Multiaktivität inkl. der dazu notwendigen Infrastrukturen und auf Bildung, die den Bürger als Mensch und nicht nur als
Arbeitsbürger zum Ziele hat.
[Quelle]
Ist ein Bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar?
"... Schlussfolgerungen:
Ein bedingungsloses Grundeinkommens in existenz- und teilhabesichernder
Höhe ist nicht allein durch die Umschichtung von Sozialausgaben und den
Abbau von Bürokratie zu finanzieren. Es erfordert außerdem deutliche
Erhöhungen bestehender Steuern und/oder die Einführung neuer Steuern.
Welche Steuern erhöht, reformiert oder ggf. eingeführt oder rückgeführt
werden sollten, hängt von den verfolgten Zielen ab. Wenn eine stärkere
Umverteilung gewünscht wird, dann sollten eine höhere progressive
Einkommensteuer, eine höhere Erbschaftsteuer und ggf. eine
Vermögenssteuer im Zentrum der Finanzierung stehen.
Wenn der Klimaschutz
ein Ziel ist, dann sollte eine CO2-Steuer eine wichtige Rolle spielen.
Wenn weder Umverteilung noch Klimaschutz Ziele sind, dann wäre eine
Finanzierung über eine Konsumsteuer oder eine lineare Einkommensteuer erstrebenswert.
Unabhängig von der genauen Ausgestaltung wäre das für
ein Grundeinkommen erforderliche Gesetzespaket das größte in der Geschichte
der Bundesrepublik. Es müsste nicht nur die Steuergesetzgebung, sondern
auch das gesamte System der sozialen Sicherung in der einen oder anderen
Form geändert werden.
(Gibt es hier bereits konkrete Pläne, Studien, Paragraphen,
Gesetzesvorschläge? Welche Gesetze müßten wie geändert werden? Welche Juristinnen, Professoren,
Institute arbeiten wie konkret daran? (wr))
Da noch kein Land der Welt ein auf Dauer angelegtes
Grundeinkommen in existenz- und teilhabesichernder Höhe für alle Bürger
eingeführt hat, sind seine Auswirkungen schwer abzuschätzen. Um die damit
verbundenen Unsicherheiten zu verringern, sollte ein Grundeinkommen nicht
auf einen Schlag, sondern schrittweise eingeführt werden. ..."
[Quelle]
"... Was würdest du arbeiten, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre? ..."
"... Das Grundeinkommen wird oft missverstanden. Es ist kein zusätzliches,
sondern ein grundsätzliches Geld. ..."
[Quelle]
"... Grundeinkommen heißt nicht mehr Geld, sondern mehr Sicherheit. ..."
[Quelle]
"... Den Steuerfreibetrag als BGE ausbezahlen.
Das wäre ein möglicher Einstieg ins Grundeinkommen. ..."
"... Das Bedingungslose Grundeinkommen ist eigentlich nur eine größere Steuerreform. ..."
"... Das Grundeinkommen ist ein monatlicher Liquiditätsvorschuss, den nur diejenigen
nicht über Steuern zurückzahlen, die es nicht können. ..."
[Quelle]
"... Substitutives versus additives Grundeinkommen. ..."
"... Mangelwirtschaft versus Überflußwirtschaft ..."
"... Das Grundeinkommen trennt nicht Arbeit von Einkommen.
Es trennt Erwerbsarbeit von Existenzsicherung! ..."
"... Jede Erwerbsarbeitsstunde vergrößert in einer Grundeinkommengesellschaft das
individuell zur Verfügung stehende Einkommen.
Es besteht nach wie vor ein finanzieller
Anreiz erwerbszuarbeiten, falls individuell ein hoher Konsum gewünscht wird. ..."
"... Das Label 'Bedingungsloses Grundeinkommen' ist schlecht gewählt.
'Negative Einkommensteuer' finde ich rationaler und leichter zu argumentieren. ..."
[Quelle]
"... Was der Verbrauchsteuer heute tatsächlich fehlt, ist eine soziale
Komponente, die progressiv wirkt. Damit sie progressiv wirkt,
braucht sie einen Steuerfreibetrag: Das bedingungslose Grundeinkommen. ..."
"... Das Grundeinkommen ersetzt bestehende Sozial-Leistungen bis zu seiner Höhe. Bedarfe darüber
hinaus können beantragt werden. Die Höhe muss existenzsichernd sein und die
gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.
Es gibt keine Bedarfsgemeinschaften, sondern es ist ein individueller Rechtsanspruch. ..."
"... Ein Grundeinkommenmodell kann sozialstaat-ergänzend oder auch sozialstaat-abschaffend sein. ..."
"... Wer bin ich, wenn ich nicht arbeite? ..."
'... Außerdem kann Erwerbsarbeit – überhaupt etwas zu tun zu haben – auch einfach
ablenken von den großen Sinnkrisen des Lebens oder Gedanken an den Tod ...'
"... Wie organisiert man ein (kapitalistisches) Unternehmen auf der Basis
von ehrenamtlicher Arbeit? ..."
"Ist Altersrente ein BGE? Oder kann sie in bestimmter Hinsicht als solches betrachtet werden?"
"Empfinden Rentenbezieher:innen ihre Rente als BGE? Wie verhalten sie sich mit einer (BGE-)Rente?"
"Sind Rentner:innen ein geeignetes BGE-Forschungsthema?"
"Universal Basic Income is capitalism where income doesn't start at zero." - Karl Widerquist
Begriffe im Umfeld
wikipedia.org:
Das "Bedingungslose Grundeinkommen"
(BGE) ist ein sozialpolitisches Finanztransferkonzept,
nach dem jeder Bürger – unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage – eine gesetzlich festgelegte
und für jeden gleiche vom Staat ausgezahlte finanzielle Zuwendung erhält, ohne dafür eine Gegenleistung
erbringen zu müssen (Transferleistung). Es wird in Finanztransfermodellen meist als eine Finanzleistung
diskutiert, die ohne weitere Einkommen oder bedingte Sozialhilfe
existenzsichernd wäre – in Form eines Bürgergelds. [...]
mein-grundeinkommen.de e.V.:
Der gemeinnützige Verein erforscht das Bedingungslose Grundeinkommen und führt
öffentliche Debatten. Er möchte herausfinden, was das Grundeinkommen mit
Menschen macht. Darum sammelt er per Crowdfunding Geld. Immer wenn 12.000 Euro
zusammen sind, verlost der Verein das Geld als Bedingungsloses Grundeinkommen:
ein Jahr lang monatlich 1.000 Euro, ohne Bedingungen.
Die Teilnahme an der Verlosung ist kostenlos. Bis August 2020 wurden
bereits 668 Grundeinkommen finanziert.
pilotprojekt-grundeinkommen.de:
Das
Pilotprojekt Grundeinkommen leistet Grundlagenforschung zum Bedingungslosen Grundeinkommen.
120 Menschen erhalten ab Frühjahr 2021 drei Jahre lang zusätzlich 1.200 Euro pro Monat um
die individuellen Effekte zu erforschen und Indizien für die Wirkung auf die gesamte Gesellschaft zu sammeln.
grundeinkommen.de:
Das Netzwerk Grundeinkommen
- ist ein Zusammenschluss von Menschen und Organisationen,
die für das Bedingungslose Grundeinkommen mit seinen vier
genau definierten Kriterien eintreten
- ist eine Organisation mit Mitgliedern, Statuten, demokratischen
Strukturen und transparenter Arbeitsweise
- engagiert sich gesellschaftlich und politisch für die Einführung des
Bedingungslosen Grundeinkommens durch Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit,
Dienstleistungen für die
Grundeinkommens-Bewegung sowie wissenschaftliche Diskussionen und politisches Handeln.
en.wikipedia.org:
"Basic Income"
also called universal basic income (UBI), citizen's income,
citizen's basic income in the United Kingdom, basic income guarantee in the
United States and Canada, or basic living stipend or guaranteed annual
income or universal demogrant, is a governmental public program for a periodic payment
delivered to all on an individual basis without means test or work requirement.
basicincome.org:
Founded in 1986, the Basic Income Earth Network (BIEN)
aims to serve
as a link between all individuals and groups interested in basic income
(i.e. a periodic cash payment unconditionally delivered to all on an individual
basis, without means test or work requirement)
and to foster informed discussion on this topic throughout the world.
expedition-grundeinkommen.de:
'... Wir wollen, dass Deutschland ein staatliches Modellprojekt zum bedingungslosen Grundeinkommen bekommt.
Dazu starten wir gemeinsam in den kommenden Monaten in mehreren Bundesländern
Volksabstimmungen.
Expedition Grundeinkommen
die-linke-grundeinkommen.de:
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen der Partei "Die Linke" hat ein ausgearbeitetes Konzept
zum
'Emanzipatorischen Grundeinkommen'
Du bist so reich, dass Du und Deine Kinder und Deine eventuellen Enkel nie erwerbsarbeiten müssen.
Das sei sicher (so die Zivilisation nicht zusammenbricht).
Wie würdest Du Deine Kinder unter solchen Voraussetzungen erziehen? Was sollten sie lernen?
Würde Deine Antwort in einer Gesellschaft, welche ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt hätte, ähnlich ausfallen?
Angesichts der demografischen Entwicklung sollten wir begrüßen,
wenn KI künftig Jobs ersetzt, statt sie dabei zu bremsen, findet unser Autor Bertram Sändig.
'... Wirtschaftskraft entsteht vereinfacht aus zwei Dingen: Wie viele Menschen arbeiten – und wie produktiv sie sind.
In den vergangenen Jahrzehnten hatten die OECD-Staaten eine „demografische Dividende“: ...'
'... Aladin El-Mafaalani, Professor für Migrations- und Bildungssoziologie an der TU Dortmund, zeigt,
dass in den kommenden 15 bis 20 Jahren jährlich rund 1,2 bis 1,3 Millionen Menschen in
den Ruhestand gehen, während lediglich etwa 800.000 junge Menschen neu in den Arbeitsmarkt
eintreten. Eine strukturelle Lücke von 400.000 bis 500.000 Arbeitskräften pro Jahr.
Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Migration der vergangenen Jahrzehnte diese Schieflage
nur teilweise kompensieren konnte. Selbst optimistische Zuwanderungsszenarien schließen
die entstehende Lücke daher rechnerisch nicht. ...'
'... Multimodale Modelle – also generative KI, die Bild, Ton und Video verarbeiten
kann und gleichzeitig die komplexen Beziehungen zwischen Konzepten so versteht,
wie wir es von Sprachmodellen inzwischen kennen – versprechen der Robotik ganz neue Schübe zu verpassen. ...'
'... Vielleicht finden wir uns in einer Welt wieder, in der es weniger Anwälte,
Börsenmakler und Marketingstrategen braucht – und dadurch menschliche Kapazitäten
frei werden für Bereiche, in denen sie unersetzbar sind: in der Pflege und im Handwerk. ...'
'... Um so einen Wandel zu überstehen, muss eine Gesellschaft diejenigen auffangen, die davon
am härtesten getroffen sind. Radikale Automatisierung verlangt nach radikaler sozialer Sicherung. ...'
'... Um Systemstabilität und Kaufkraft zu sichern, brauchen wir Wege, wie die
enormen Effizienzgewinne der KI nicht nur in den Bilanzen der Technologieanbieter,
sondern auch in der Breite der Gesellschaft ankommen.
Es ist ein pragmatischer Deal: Akzeptanz für radikale Automatisierung im Tausch gegen soziale Absicherung. ...'
'... Und gleichzeitig sollten wir diesen gewaltigen Wandel mit sozialen Maßnahmen begleiten,
die seine Opfer auffangen und gewährleisten, dass der Reichtum, der durch Automatisierung entsteht,
der gesamten Gesellschaft zugutekommt.
Denn die Alternative zum Wandel ist nicht der Status quo. Die Alternative ist der Abstieg. ...'
'... In Deutschland gibt es derzeit über 500 verschiedene Sozialleistungen.
Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Forschungsbericht des ifo Instituts, der alle
Sozialleistungen auf Bundesebene dokumentiert. „Ursprünglich wollten wir Ausmaß und Wirkung
aller Sozialleistungen berechnen. Die Vielzahl an Vorschriften und Leistungen ließ diese
Aufgabe beinahe unlösbar erscheinen. Statt der Quantifizierung entstand deswegen zunächst nur eine Inventarliste aller
Sozialleistungen auf Bundesebene“, sagt Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen. ...'
Geschichte und Zukunft eines liberalen Vorschlags
Nomos, 1. Auflage 2025, 372 Seiten
ISBN 978-3-7560-2306-6
39 Euro
Vor mehr als zwei Jahrhunderten wurden in England Lohnzuschüsse für Geringverdienende und Arbeitslose
eingeführt. Das als Speenhamland bekannte System wurde gelobt, kritisiert und persifliert. Nach dem Stand der
Forschung trugen nicht nur niedrige Energie- und Transportkosten, sondern auch relativ hohe Löhne und
Lohnsubventionen zum Vorsprung der britischen Wirtschaft bei, da sie die Massenkaufkraft steigerten.
Diese Studie analysiert das Speenhamland-System, seine Funktionsweise und Auswirkungen, und untersucht,
warum es trotz positiver Effekte nach 40 Jahren abgeschafft wurde. Die Analyse bietet ein differenziertes Verständnis des
Potenzials von Grundeinkommenspolitiken zur Bewältigung sozialer Ungleichheit und der Klimakrise.
Bill Gates erzählt, wie er mit den Reichsten um Trumps Aufmerksamkeit ringt, was er Elon Musk raten
würde und von seiner Kindheit, in der sein Autismus noch keine Diagnose war.
'... ZEIT: Digitale Märkte tendieren dazu, dass die Gewinner alles bekommen.
Falls die von Ihnen beschriebene Entwicklung kommt, was können Regierungen tun,
um ein Verteilungsergebnis zu erzielen, das zu einer stabilen Gesellschaft führt?
Gates: Das ist keine einfache Sache. Es gibt Dinge wie die Steuergutschrift für
Erwerbseinkommen, das ist ein Konstrukt der USA (ähnlich einer Grundsicherung, Anm. d. Red.).
Davon brauchen wir vielleicht eine Menge. Werden wir uns dafür entscheiden, die Arbeitswoche
zu verkürzen? Wenn man erst einmal diesen
massiven Produktivitätsschub hat, sind das die Dinge, über die man anfangen muss nachzudenken.
[...]
ZEIT: Warum haben Sie das Erbe Ihrer Kinder begrenzt? Gates: Als Gefallen für sie! Ich glaube an eine Erbschaftsteuer, mein Vater und ich
haben uns für ihre Einführung eingesetzt. Wenn man nicht an dynastischen Reichtum glaubt,
spielt die Erbschaftsteuer eine sehr wichtige Rolle für eine dynamische Gesellschaft.
Ich würde auch das Steuersystem progressiver gestalten, aber nicht wie Bernie Sanders
(ein einflussreicher linker Politiker der US-Demokraten, Anm. d. Red.), der sagt, es sollte
in den USA keine Milliardäre geben. Auch wenn ich da natürlich voreingenommen bin.
Ich würde mich sorgen, dass man die Anreize verkompliziert, wenn man da zu weit geht.
ZEIT: Aber Sie sagen, dass man nicht als Milliardär geboren werden sollte? Gates: Das ist meine Ansicht. Die Erbschaftsteuer sollte bei
Erbschaften von hohem Niveau bei mehr als 90 Prozent liegen.
ZEIT: Sie sind seit zwei Jahren Großvater. Was bringen Sie Ihren Enkeln bei,
um sie vorzubereiten auf eine Welt, in der KI alles weiß? Gates: Wenn wir den Extremfall erleben, dass die Maschinen in allem besser sind, gibt es
keine wirklich gute Antwort. Die Werte der Gesellschaft werden sich ändern müssen, weil wir
dann in einer Welt des Überflusses leben, nicht in einer Welt des Mangels. Menschen, die in
einer Welt des Mangels gelebt haben, fällt es sehr schwer, sich das vorzustellen. Das wird dann
fast religiös oder philosophisch: Wie sollten Menschen ihre Zeit verbringen? Eines meiner Kinder
macht eine Ausbildung zur Ärztin. Ich habe ein Kind, das Unternehmer ist, und eines, das sich
politisch engagiert. Ich bin sehr stolz auf das, was sie tun, aber ich habe sie nicht dazu
gedrängt. Ich habe meine Kinder immer ermutigt, sich mit Dingen zu beschäftigen, die ihnen Spaß
machen, denn dann werden sie darin sehr gut.
Es ist besser, wenn man etwas tut, das man wirklich, wirklich, wirklich mag.
ZEIT: Man muss das mögen, was man tut, und nicht das Geld, das man verdient? Gates: Nicht jeder hat das Glück wie ich, etwas zu finden, das man auch ohne Bezahlung
tun würde. Aber ich denke, dass man immer in den Bereichen fantastische Arbeit leistet, zu denen man
sich hingezogen fühlt und bei denen man andauernd darüber nachdenkt, wie man sie verbessern kann.
...'
Viel oder wenig arbeiten? Auf den Chef hören – oder lieber widersprechen?
Rentner und Rentnerinnen geben Tipps, wie man glücklich durch das Berufsleben kommt.
(Abo)
- 2. Wenn ihr im Rentenalter nicht einsam sein wollt, braucht ihr mehr Interessen als die Arbeit.
- 3. Seid nett zu euren Kollegen und Kolleginnen, alles andere kostet nur Nerven und Zeit.
- 4. Passt auf, dass ihr euch im Job nicht mit nutzlosen Aufgaben beschäftigt.
- [...]
- 10. Nehmt euch und eure berufliche Position nicht zu ernst.
- 11. Sucht euch rechtzeitig Freunde, die später die Rente mit euch verbringen.
- 12. Carearbeit ist Arbeit. Irgendwann muss auch euch jemand pflegen.
- 13. Genießt das Arbeitsleben. Im Ruhestand vergeht die Zeit gefühlt doppelt so langsam.
- [...]
- 16. Arbeit gibt Selbstbewusstsein.
- 17. Engagiert euch ehrenamtlich. Alles andere ist unsozial.
- 19. Bekommt Kinder, auch wenn die beruflichen und privaten Umstände kompliziert sind.
- 25. Hört auf zu arbeiten, wenn ihr es euch finanziell leisten könnt.
- 44. Die Arbeit hält euch fit.
- 50. Menschen mit mehr Berufserfahrung wissen nicht alles besser.
(Wie) Würden Sie weiterarbeiten? Ein Vergleich der „Lotteriefrage“ mit einer Frage zum Bedingungslosen Grundeinkommen
Zusammenfassung: Die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens (engl. Basic Income; BI)
wird kontrovers diskutiert. Eine zentrale psychologische Frage ist, ob die meisten Beschäftigten
wegen des BI aufhören würden zu arbeiten oder dies, entsprechend der Forschung zur
„Lotteriefrage“ (Lottery Question), nicht zu erwarten ist. Wir untersuchten diese Frage in
zwei Befragungen mit 268 und 640 Beschäftigten, in der wir ihre Pläne bezüglich Erwerbstätigkeit
im Fall eines Lottogewinns („Lotteriefrage“) oder der monatlichen Auszahlung eines BI (BI Frage)
sowie ihre Gründe weiterzuarbeiten erfassten. Mehr als 90 % (Studie 1) und mehr als 80 % (Studie 2)
der Teilnehmenden planten in beiden Szenarien weiterzuarbeiten. Auf die BI Frage gaben mehr
Teilnehmende an, dass sie wie zuvor weiterarbeiten würden und weniger planten, eine andere Arbeit
aufzunehmen oder nicht weiterzuarbeiten. Finanzielle Gründe weiterzuarbeiten wurden beim BI häufiger
berichtet. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Übertragbarkeit der Forschung zur „Lotteriefrage“ auf
das BI begrenzt ist und es spezifischer Forschung zum BI bedarf.
Neue Daten zeigen: Wenn der Staat zu großzügig ist, wird weniger gearbeitet.
Die Anhänger eines bedingungslosen Grundeinkommens sollten ihre Prämissen überdenken.
(Abo)
'... Das alles deutet darauf hin, dass die Einführung des Bürgergelds dazu geführt hat,
dass weniger Arbeitslose einen Job annehmen. Laut Weber sechs Prozent weniger im ersten Jahr.
Das bedeutet: Wenn zuvor 100 arbeitslose
Grundsicherungsempfänger eine Stelle antraten, waren es nach der Reform nur noch 94. ...'
'... Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ist bei der Bundesagentur für Arbeit
angedockt und ein seriöses Institut. Enzo Weber ist ein angesehener Forscher. Man muss die
Ergebnisse also ernst nehmen. Die Frage ist, was aus ihnen folgt. Man könnte beispielsweise
argumentieren, dass sich die Arbeitslosigkeit (und damit der Fachkräftemangel) durch eine maximale
Verschärfung der Sanktionen beseitigen ließe. Das Problem: Der Wirtschaft (und den Arbeitslosen)
ist möglicherweise nicht geholfen, wenn Menschen einfach nur irgendeinen Job annehmen, den sie mangels
Perspektive nach ein paar Monaten wieder hinwerfen, oder gleich auf der Straße landen. ...'
'... Und mit der Einführung von Hartz IV wurde mehr Quantität durch weniger Qualität erkauft.
Hinzu kommt: Auch der Arbeitsmarkt ist ein Markt, auf dem die Gesetze von Angebot und Nachfrage
gelten. Wahrscheinlich würden mehr Menschen eine Arbeit aufnehmen, wenn höhere Löhne bezahlt würden.
Der deutsche Sozialstaat ist zwar so organisiert, dass jemand, der arbeitet, praktisch immer mehr Geld
zur Verfügung hat als jemand,
der nicht arbeitet. Doch vielleicht ist der Abstand nicht groß genug. ...'
'... Was die Studie aber zeigt: Menschen reagieren auf Anreize. Und wenn man ohne Arbeit
einigermaßen über die Runden kommt, dann wird eben in manchen Fällen nicht gearbeitet.
Schließlich ist der Job nicht immer eine Form der Selbstverwirklichung. Die Anhänger eines bedingungslosen Grundeinkommens
jedenfalls sollten angesichts der Ergebnisse von Enzo Weber vielleicht ihre Prämissen überdenken. ...'
Donnerstag, 02.05.2024; 13:00 Uhr vorm BAIZ
"Heraus zum Zweiten Mai, dem Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen"
In diesem Jahr möchten wir Euch ein paar Demolosungen unserer Ideenschmiede vorschlagen:
Wenn Euch eine anspricht: Einfach auf A4 ausdrucken und mit Gaffer an die Jackenrücken geklebt
(hätten wir sonst auch vor Ort und helfen dabei – natürlich auch bei eigenen Ideen).
Win-win-win: Die Demo transportiert noch mehr Inhalte und Ihr habt trotzdem die Hände für Bier und Zigarette frei… ;-)
Mein Freund ist Roboter |
Wir sind nicht alle, es fehlen die, die arbeiten |
Musik:
Arbeitslos durch die Nacht |
Für mich soll‘s Bürgergeld regnen |
Mein Freund der Boss ist tot
Filmtitel:
Lieber "Karlsson auf dem Dach" als den Arbeitsvertrag in der Hand |
Lieber “Dancer in the dark” als worker in the hell |
Büroalltag, “oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben” |
“12 Uhr mittags” gehört Papi/Mami mir |
“Für eine handvoll Dollar” habe ich keinen Bock |
“Land and freedom” statt Büro und Arbeit |
Die Furchtbare Welt der Arbeitskraft |
Den “Himmel über Berlin” kann man vom Büro aus nicht sehen |
Mein Chef ist bei den “Time Bandits” |
Lohn ist auch nur ein “Quantum Trost” |
Mehr Zeit für “Ziemlich beste Freunde” |
“Heißer Sommer” lieber ohne Arbeit |
& überhaupt:
Kein Gott, Kein Staat, Kein Arbeitsvertrag |
Couch statt Coach |
Lieber einen wackeligen Barhocker als einen festen Arbeitsplatz |
Der Terror der Arbeit |
Soll sich das Leben wieder lohnen, dann in den Müll mit den Sanktionen! |
Wir arbeiten für eine Welt - Da herrscht die Freundschaft, nicht das Geld |
Allen Schulden stehen immer auch Vermögen gegenüber |
Basta! hilft dir ohne Rast - Egal welchen Pass du hast. |
Sozialleistungen für Alle, statt miese Arbeit für Viele |
Erst das Leben, dann die Arbeit!
Und jetzt alle:
WIR HABEN ZEIT! WIR HABEN ZEIT! WIR HABEN ZEIT!
Die Arbeit ist erfüllend, der Job ein Ort für Selbstverwirklichung?
Wer das glaubt, erwartet von seinem Beruf meist mehr, als dieser liefern kann.
'... Sinn ist das große Versprechen von New Work, der dominierenden Arbeitsplatzideologie
der jüngeren Vergangenheit. Ihre Fans verwenden lieber die englische Bezeichnung,
purpose. Das Große und Ganze in der kleinen Welt des Einzelnen, formuliert in jeder
Stellenausschreibung: Arbeit als Erfüllung. Als Mittel zur Selbstverwirklichung.
Du willst die Welt verändern oder zumindest ein kleines bisschen besser machen?
Dann komm zu uns! Wir sind eine große Familie. Hier kannst du etwas Sinnvolles tun.
Vergiss es! Die simple Wahrheit ist: Zu viel Sinn macht krank. ...'
'... Bereits in der Grundschule lernen Kinder, dass Arbeit ohne Sinn "nicht schön" ist. Kann man die
Vorstellung, nicht nur für Geld, sondern auch für Sinn zu arbeiten, subversiver einimpfen? ...'
'... Meist helfen wir anderen, weil wir uns selbst helfen wollen. ...'
'... Wenn sich Beschäftigte aber davon überzeugen lassen, stärker für einen vermeintlich höheren
Zweck zu arbeiten als (in erster Linie) für Geld, dann braucht man ihnen von Letzterem vielleicht
auch nicht so viel zu geben. Kurz: Wenn Sinn und Geld erst einmal gleichberechtigt nebeneinanderstehen,
kann man seine Leute eben auch in Sinn bezahlen. Eine Zeit lang werden sie das mitmachen. Bis sie
irgendwann erkennen, dass sie den versprochenen
Sinn nicht finden – und dann an ihrer Tätigkeit oder gleich an sich selbst verzweifeln. ...'
'... Sinn finden Beschäftigte an ihrem aktuellen Arbeitsplatz offenbar so gut wie nie, aller Bekenntnisse
zum Trotz. Nur: Finden sie ihn woanders? Oder sollten sie besser aufhören, danach zu suchen? ...'
Jeder zweite Deutsche besitzt kaum etwas, das Vermögen konzentriert sich auf die
obersten zehn Prozent. Eine unkonventionelle Idee könnte das ändern, zeigen neue Daten.
(Abo)
'... Die wichtigste Erkenntnis vorneweg: Wer mehr Gleichheit will, muss vor allem den Armen mehr Geld geben.
Den Reichen etwas wegzunehmen, bringt für sich genommen wenig, kann aber zur Finanzierung notwendig sein. ...'
'... Timm Bönke vom DIW hat auch berechnet, was ein Grunderbe kosten würde – es wäre enorm teuer.
Bei einer Höhe von 20.000 Euro müsste der Staat dafür jedes Jahr 17 Milliarden Euro aufbringen. Das ist
mehr Geld, als der Bund beispielsweise für die Eisenbahn ausgibt. Ein Grunderbe von 60.000 Euro, wie es die Jusos fordern,
würde aber auch 51 Milliarden Euro im Jahr kosten, so viel wie der gesamte reguläre Verteidigungshaushalt. ...'
'... Bezahlen ließe sich so ein Grunderbe wohl nur mit deutlichen Steuererhöhungen, und so kommen wieder
die anderen Vorschläge aus den Berechnungen ins Spiel: Die Jusos schlagen eine Erhöhung der Erbschaftsteuer
vor, das DIW eine Vermögensteuer. Beides folgt dem Prinzip: Reichen etwas wegnehmen, um es den Jungen zu geben.
Bönkes Berechnungen zeigen allerdings, dass eine Erbschaftsteuer kaum genug einbringen würde, selbst bei
einem Satz von 30 Prozent läge der Ertrag bei weniger als vier Milliarden Euro. Die Vermögensteuer wäre schon vielversprechender:
Mit einem Satz von sechs Prozent könnte sie etwa so viel abwerfen, wie 60.000 Euro Grunderbe kosten. ...'
Wer im Alltag schuftet, hat sich den Flug nach Ibiza verdient.
So ist das in einer Leistungsgesellschaft. Ein Konzept, mit dem sich der Klimaschutz aushebeln lässt
'... Arbeit ist in der Spätmoderne also nicht nur ökonomische Notwendigkeit,
sondern ebenso moralischer Selbstwert. Konkreter: Wer sich jeden Tag ins Büro schleppt,
verdient damit im besten Fall nicht nur genug Geld, sondern vermag daraus auch moralische
Ansprüche abzuleiten. Etwa sich am Wochenende ehrlos zu besaufen oder die dreitägige Flugreise
zu buchen. Das mag zwar für Körper oder Umwelt schädlich sein, erscheint aber buchstäblich verdient.
Das Problem an der Sache ist nur:
Das gesamte Konzept der Leistungsgesellschaft ist aus mindestens drei Gründen fragwürdig. ...'
'... Erstens, weil es überhaupt keinen objektiven Maßstab für Leistung gibt. ...'
'... Zumal zweitens ja hinzukommt, dass die ökonomische Leistungsfähigkeit
des Einzelnen in erheblichem Maße von dessen biografischen Startbedingungen abhängt. ...'
'... Und drittens steht ganz grundsätzlich zur Frage, inwiefern es in einer hochgradig
arbeitsteiligen Gesellschaft überhaupt so etwas wie in-dividuelle, also im Wortsinne
unteilbare, persönlich zurechenbare Leistung geben kann.
Denn nahezu jeder Büroangestellte, jeder Fabrikarbeiter, ja selbst jede Selbstständige
ist heute auf derart viel – sichtbare und unsichtbare – Vor-, Zu-, Mit- und Nacharbeit
angewiesen, also auf Kollegen, Zulieferer, Abnehmer oder Logistiker,
dass jede Leistung de facto eine Art Kollektivleistung ist.
...'
Neuerungen wie die Künstliche Intelligenz verbessern die Arbeitswelt, zerstören aber
einige Jobs, sagt Georg Vobruba. Damit die Verlierer der Veränderungen nicht gegen die Gewinner aufbegehren,
müsse der Staat handeln. An große Würfe, wie ein Grundeinkommen, glaubt er nicht.
Georg Vobruba beobachtet die Debatte um ein bedingungsloses Grundeinkommen seit 40 Jahren.
Obwohl der Soziologie-Professor der Uni Leipzig selbst Sympathie für die Idee hegt, hat er sich
damit abgefunden, sie bis zum Jahr 2030 nicht umgesetzt zu sehen. Sie helfe dennoch, die Gesellschaft trotz
aller Veränderungen in Wirtschaft und Arbeitswelt in die richtige Richtung zu entwickeln.
'... Vobruba: KI ist die neueste Sau, die durchs Dorf getrieben wird, aber nicht die erste.
Apokalyptische Sorgen, dass uns wegen neuer Technik die Arbeit ausgeht, entstehen alle zehn
bis 15 Jahre und waren schon viel weiter verbreitet als heute.
In den 1980er- und 1990er-Jahren glaubten das so gut wie alle. ...'
'... Der technische Wandel liegt im Interesse der Mehrheit der Gesellschaft. Es kann aber nicht
sein, dass eine Minderheit, die unter dem Wandel leidet, die Kosten trägt durch Arbeitslosigkeit
und Dequalifikation. Sonst zerreißt der Wandel die Gesellschaft. Also muss man diese Minderheit
entschädigen: durch neue Jobs vor Ort oder durch Sozialpolitik. Ein vertrauenswürdiger Sozialstaat
unterstützt den Strukturwandel, weil Arbeitskräfte wissen, bei Arbeitslosigkeit nicht abzustürzen. ...'
'... Die Bedeutung der Grundeinkommen-Diskussion besteht nicht darin, ein bedingungsloses Grundeinkommen
Knall auf Fall durchzusetzen. Sie besteht darin, kleine Erfolge ermöglicht zu haben ...'
'... Manche Unterstützer des Grundeinkommens wirken auf mich sektenartig. ...'
Viele Angestellte müssen sich unterordnen und werden nicht wertgeschätzt.
Oder haben nur sinnlose Aufgaben. Das gefährdet die Demokratie, sagt der Philosoph Axel Honneth.
(Abo)
'... Um zu wissen, weshalb wir uns für das Gemeinwesen engagieren sollten,
müssen wir erfahren, warum uns die Nöte und Sorgen anderer etwas angehen – und das geschieht durch die Einbeziehung in Arbeit.
Das Arbeiten in Teams, mit Kolleginnen und Kollegen zu kooperieren, solche Erfahrungen sind zentral. ...'
'... Wenn man unterbezahlt ist, besitzt man kaum die Kraft, sich an der Demokratie zu
beteiligen, weil es nur darum geht, täglich den Lebensunterhalts zu sichern. Dasselbe gilt
für die Überforderung, denn diese nimmt einem die Energie und Zeit, sich politisch zu engagieren.
Meistens fällt ja auch beides zusammen, die Unterbezahlung und die körperliche oder geistige
Überforderung am Arbeitsplatz. Kein Wunder, dass die davon Betroffenen wenig Interesse an der Demokratie
zeigen und sich vom Rest der Gesellschaft oder den Parteien häufig im Stich gelassen fühlen. ...'
'... Ich versuche dieses Problem zu lösen, indem ich vorschlage, Arbeit als all das zu verstehen,
was zur Aufrechterhaltung des jetzigen Zustands unserer Kultur erforderlich ist. Hegel fasste das
kürzer zusammen und sagte: Arbeit ist all das, was einem "allgemeinen Zweck" dient. Verstehen wir
Arbeit so, ist klar, dass Hausarbeit oder das unbezahlte Ehrenamt in der
Tafel dazu gehört, das Klavierspielen zu Hause oder die sogenannte Gartenarbeit aber nicht. ...'
'... Ich würde es unter anderem befürworten, wenn alle, sobald sie volljährig sind, ein soziales
Pflichtjahr machen müssten, egal ob in einer Klinik, in der Obdachlosenhilfe oder in einem Umweltprojekt.
Die Erfahrungen, die ein junger Mensch dort sammeln würde, prägen ihn ein Leben lang und bringen ihn in
Kontakt mit Lebenswelten, die ihm ansonsten fremd bleiben.
Das ginge letztlich nur über eine staatliche Pflicht, ähnlich wie früher beim Wehrdienst. ...'
'... Nichts ist schlimmer, als langfristig aus dem Arbeitszusammenhang herauszufallen, man
verliert jeden soziale Halt und empfindet sich als überflüssig. Ich will in einer Gesellschaft leben,
in der jeder und jede eine Chance hat, einen sinnvollen Beitrag zum Gemeinwohl zu erbringen. ...'
'... Das Grundeinkommen aus meiner Sicht ein Mittel zur weiteren Privatisierung des Menschen.
Der Einzelne würde sich wahrscheinlich nur noch als Empfänger einer staatlichen Zuwendung verstehen
und sich immer weiter aus der sozialen Kooperation ausklinken. Das Grundeinkommen garantiert in keiner
Weise, dass das Interesse des Einzelnen an sozialen und politischen Zusammenhängen zunimmt. Ich denke eher,
dass es das Gegenteil bewirkt und zu einem immer stärkeren Rückzug in die eigene kleine Welt führt, die aus
Gleichgesinnten besteht. Daher verstehe ich auch nicht, woher der Glaube kommt, dass sich durch das
Grundeinkommen mehr Menschen politisch engagieren würden.
Wenn die Privatisierung zunimmt, erlischt vielmehr die Triebfeder demokratischen Engagements. ...'
Das Altern wird gerne verdrängt. Der Psychologe Andreas Kruse hat sich über Jahrzehnte mit der Frage befasst,
wie sich der Mensch am Lebensende verändert. Hier sagt er, warum man sich davor nicht fürchten muss.
'... Kruse: Nur wenige gesunde 63-Jährige sagen heute, dass sie sich alt fühlen.
Aber viele haben den Eindruck, aufgrund ihres Alters nicht mehr gebraucht zu werden.
Das hat desaströse Auswirkungen auf Psyche und Gesundheit. Von Vorruhestandsregelungen
halte ich gar nichts. Nach dem Mauerfall habe ich Studien in den neuen Bundesländern
durchgeführt. Da wurden die volkseigenen Betriebe
geschlossen und Menschen mit Anfang 50 ausgegliedert. Die sagten uns damals: Wir fühlen uns zutiefst alt. ...'
'... Wenn man von sich sagt, alt zu sein, weil man nicht mehr gebraucht wird, wirkt sich
das auf die Emotionalität aus, man verliert die Lebensbindung. Das ist Psychosomatik pur und
beeinträchtigt mit der Zeit auch die körperlichen Funktionen. Die amerikanische Psychologin
Becca Levy hat herausgefunden, wie bedeutsam die Einstellung zum eigenen Alter ist:
Wenn du von dir glaubst, nichts Positives mehr bewirken zu können, geht es körperlich bergab. ...'
'... Demenzkranke stehen in der öffentlichen Wahrnehmung für den Gegensatz
dessen, was wir wertschätzen: Autonomie, Effektivität, Leistungsfähigkeit. ...'
'... Wer nicht erkennt, wie wichtig es ist, in soziale Beziehungen zu investieren, hat es schwer.
Es ist ungemein gefährlich, im Alter auf sich selbst zurückgeworfen zu sein und zu vereinsamen. ...'
'... Früher galt: Wer nicht mehr produktiv ist, dem gnade Gott. Das prägt unser Bild von den Alten bis heute. ...'
'... Das heißt, Menschen, die sich schon immer für was Neues interessierten, die offen waren im Austausch,
eine zuhörende Haltung gegenüber anderen hatten und keine Scheu, sich mit Unbekanntem auseinanderzusetzen,
die werden im Alter ungemein lebendig.
Das Interessante daran ist, dass diese Personen auch eine ausgeprägte Veränderungsfähigkeit spüren. ...'
Morris Pearl ist an der Wall Street reich geworden. Nun fordert er aus Angst
vor sozialen Unruhen höhere Steuern für Menschen wie ihn – und hat sogar einen Plan.
(Abo)
'... Viele Superreiche treiben diese Strategie auf die Spitze. Sie halten fast ihr gesamtes
Vermögen in Aktien, leben von Krediten und sterben als reicher Mensch, ohne jemals groß Steuern gezahlt zu haben.
Buy, borrow, die – kaufen, leihen, sterben – nennt sich diese Strategie. ...'
'... Ich bin überzeugt, dass viele der aktuellen Konflikte auch mit der steigenden Ungleichheit zu
tun haben. Die Menschen spüren, dass da etwas nicht stimmt. Und ihre Unzufriedenheit entlädt sich
gewaltsam. Ich glaube, dass es in unserem Interesse ist, die Ungleichheit zu bekämpfen. In
Ländern wie Südafrika können wir ja sehen, wozu extreme Ungleichheit führt. Die Reichen leben
dort hinter hohen Zäunen und trauen sich nur mit bewaffnetem Personal vor die Tür.
Ich finde diese Aussicht nicht
besonders verlockend und habe die Sorge, dass es für uns Reiche nicht gut ausgeht. ...'
'... Auch wir Reichen wollen doch in einem Land leben, in dem wir uns
frei bewegen können, ohne Angst haben zu müssen. ...'
'... Pearl: Eine Vermögensteuer ist kein Selbstzweck.
Sie soll dazu dienen, die Ungleichheit zu bekämpfen. Deshalb macht es doch Sinn,
dass sie mit der Ungleichheit steigt, aber auch wieder fällt, wenn diese zurückgeht.
Am besten soll das automatisch passieren, ohne dass das Parlament jedes Mal ein neues
Gesetz erlassen muss. Wir möchten uns am Vermögen des Durchschnittsamerikaners
orientieren, dem sogenannten Median-Vermögen. Wer mehr als tausendmal so reich
ist wie der Durchschnittsamerikaner, soll eine Vermögensteuer von zwei Prozent bezahlen.
Bei einem Vermögen, das zehntausendmal so hoch ist, würden vier Prozent fällig.
So geht das weiter bis zu einem Steuersatz von acht Prozent auf Vermögen, die eine
Million Mal so hoch sind. Im Jahr 2021 hätten diesen Höchststeuersatz nur zwei
Menschen zahlen müssen: Elon Musk und Jeff Bezos.
ZEIT ONLINE: Was erhoffen Sie sich von so einer Steuer?
Pearl: Es würde die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass es bei der Bekämpfung der
Ungleichheit auch darum gehen muss, die breite Masse stärker vom Wohlstand profitieren
zu lassen. Auch die Reichen hätten daran ein Interesse. Denn je höher das Vermögen des
Durchschnittsamerikaners, desto geringer ist die Vermögensteuer für sie. Im Idealfall
würde die Ungleichheit auf ein akzeptables Maß schrumpfen und
die Vermögensteuer von ganz allein immer weniger Menschen betreffen.
...'
Arbeit bestimmt unser Leben. Und sie präge die Demokratie grundlegend, sagt der Sozialphilosoph Axel Honneth.
In seinem neuen Buch widmet er sich einem blinden Fleck der politischen Theorie.
'... Arbeit, hält Honneth fest, dürfe nicht zu einer geistigen und seelischen Verarmung
der Menschen führen, die sie ausüben. Deshalb dürfe die Arbeitsteilung nicht zu weit getrieben werden.
Arbeit muss Sinn ergeben und als sinnvolle Einheit verstanden werden können. ...'
'... Nur wer einem Beruf nachgehe, der ihm Anerkennung einbringe, werde von seiner
Arbeit erfüllt und könne Selbstbewusstsein aufbauen, lautet eine weitere Forderung, die auf
Hegel verweist. Die Unabhängigkeit der Menschen, die eine Arbeit verrichten, ist für
Honneth allerdings kein ausreichendes Kriterium für eine gute Arbeit. Ein Arbeitsverhältnis sei nur dann wohlgeordnet,
wenn es genügend Zeit für die Familie, ein Ehrenamt, für politische Partizipation zulasse. ...'
'... Arbeit müsse beim Arbeitenden Selbstanerkennung und Selbstachtung wecken. Nur wer
sich selbst achte, fühle sich so stark, eine eigene politische Meinung zu äussern.
Honneths Kernthese ist, dass sich demokratische
Partizipation und eine freie, menschengerechte Organisation von Arbeit wechselseitig bedingen. ...'
'... Die Arbeit ist für Honneth deshalb die entscheidende Kraft, weil sie Menschen
unterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen Milieus zusammenführt. Bei der Arbeit
und rund um sie herum lernen sie einander kennen und tauschen sie Erfahrungen aus. So
werde der «Geist demokratischen Miteinanders» erst geweckt. Zum Ende hin spitzt Honneth dieses
Argument zu und schlägt eine ein oder zwei Jahre andauernde staatliche Dienstverpflichtung zu
gemeinwohlorientierten Tätigkeiten vor. Nur so, sagt Honneth, sei «die demokratische
Grundtugend des Hineinversetzens in unvertraute Existenzformen und Lebensschicksale zu erlernen». ...'
'... In einem Exkurs zur Geschichte des Arbeitsbegriffs verblüfft Honneth mit dem Nachweis, dass
über lange Zeit nur das als Arbeit galt, was mit einem Produkt oder einem bearbeiteten Gegenstand
in Verbindung steht. Von John Locke über Hegel und Marx bis zu Max Weber und Hannah Arendt – sorgende
Tätigkeiten, Kochen, Putzen, Transportieren galten nicht als Arbeit.
Erst mit dem Ersten Weltkrieg ändert sich dies, als Krankenschwestern Kriegsverwundete pflegen. ...'
'... Honneth lehnt das «bedingungslose Grundeinkommen» ab, mit der Begründung,
Bezüger eines solchen Einkommens würden abgeschrieben, fielen aus dem Gesellschaftlichen heraus. ...'
'... Mit diesem Buch legt er eine Sozialphilosophie der kleinen Leute vor. Er wirbt für die
Anerkennung der Leistungen von Arbeitskräften auf den unteren Stufen der gesellschaftlichen Leiter
und will diese politisch ertüchtigen. Er denkt und fühlt sich in die Lebens- und Arbeitswelt derjenigen ein, auf die oft
herabgeblickt wird, und definiert Demokratie als solidarische Gemeinschaft aller sozialen Schichten. ...'
Axel Honneth: Der arbeitende Souverän. Eine normative Theorie der Arbeit. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2023. 397 S.
Wer heute in den Ruhestand geht, ist fit und jugendlich wie nie – und lebt immer länger. Was tun mit all den Jahren?
(Abo)
'... Der erste Rentner der Weltgeschichte war wahrscheinlich ein Römer. Genauer: ein römischer Legionär.
[...]
Das Geld stammte aus einem speziellen Fonds, der auch durch eine Steuer auf Erbschaften
gefüllt wurde. Die Motivlage beschrieb der römische Historiker Sueton einst so: Augustus wolle
verhindern, dass die Legionäre sich nach ihrer Entlassung aus dem stehenden Heer "Verrat und Rebellion"
hingeben und damit seine Herrschaft gefährden. Sie sollten ruhiggestellt werden. ...'
'... Dabei ist die Rente keineswegs das Paradies, für das sie oft gehalten wird. Sie ist im schlechtesten
Fall ein Mittel zur Beruhigung der Massen, die mit immer größeren ökonomischen Kosten erkauft wird. ...'
'... Wie Augustus lange zuvor fürchtete auch Bismarck, dass sich die Arbeiter angesichts der wachsenden
sozialen Gegensätze radikalisierten. Sie sollten wie einst die römischen Legionäre an den Staat und seine
Institutionen gebunden werden. Erst jetzt setzte eine allmähliche "Entberuflichung" der späten
Lebensjahre ein, wie es der Historiker Ehmer formuliert.
Dass im Alter nicht mehr gearbeitet wird, ist also im Wesentlichen eine Erfindung der Moderne. ...'
'... Andererseits lassen sich Studien über die Zufriedenheit ungefähr so zusammenfassen:
Mit Beginn der Rente steigt das subjektive Glücksempfinden zunächst, man freut sich auf den ungebundenen
Lebensabschnitt. Experten sprechen von einer "Flitterwochenphase" des Rentnerlebens. Im Laufe der Jahre
geht die Lebenszufriedenheit aber wieder zurück. Dies könnte damit zu tun haben, dass es auf die Dauer
möglicherweise nicht leicht ist, in einer Arbeitsgesellschaft den Tag ohne Erwerbsarbeit auszufüllen
(siehe weiter unten). Nicht jeder findet Erfüllung darin, einen Roman zu schreiben oder auf die
Enkelkinder aufzupassen. Und ohne die Fähigkeit zur Selbstorganisation kann die Rentenzeit zur Hölle
werden. Denn auch das zeigt die Forschung: Wer vor der Rente Probleme hatte,
sozialen Anschluss zu finden, der tut sich damit im Ruhestand erst recht schwer. ...'
'... Ist es nicht ohnehin seltsam, dass dank der Rente ein sehr großer Teil der freien Zeit auf das
Ende des Lebens verschoben wird? Wer 40 Jahre arbeitet, kommt im Schnitt auf insgesamt
240 Urlaubswochen, dem gegenüber stehen 1040 Wochen Freizeit bei einem Rentenbezug von 20 Jahren. ...'
'... Auf dem Alter ruhen große Hoffnungen, jedenfalls in den Mittelschichten der Gesellschaft.
Alter bedeutet nicht mehr erschöpftes Ausruhen nach einem Arbeitsleben, das alle Kräfte aufgezehrt
hat, es bedeutet – im Gegenteil – die Aussicht auf eine Art festlicher Dauerferien, angefüllt mit
süßem Nichtstun oder abenteuerlichen Hobbys. Ein wunderbarerweise vom Staat
durchfinanziertes Sabbatical, in dem man alles machen kann, was man immer schon wollte. ...'
'... Heute garantieren Renten zwar nicht mehr, wie noch vor dreißig Jahren, finanzielle
Unbeschwertheit, mehr als ein Viertel der Ruheständler haben ein monatliches Nettoeinkommen
von unter tausend Euro. Das ist kein Spaß. Aber für die oberen drei Viertel eröffnen die Altersbezüge – mit ein paar
Ersparnissen und vielleicht der einen oder anderen Immobilie – eine lange Freizeitphase des Lebens. ...'
'... Je unbefriedigender das Berufsleben, desto größer die Neigung, alles, was man sich versagt hat oder versagen
zu müssen glaubte, auf die Rentenzeit zu verschieben. Jetzt muss es klappen mit der Selbstverwirklichung! ...'
'... Denn das Alter ist nicht nur ein Phänomen des Körpers, sondern auch der Seele, und diese kann
von der Last des gelebten Lebens, den Erinnerungen, Erfahrungen, Niederlagen, Anspannungen, beschwerter
sein, als das Körpergefühl es vorgaukelt. Der Körper ist oft fitter als der Geist, das ist eine Wahrheit,
die nach Kräften beschwiegen wird (auch wenn die Angst vor Alzheimer und Demenz umgeht). ...'
'... Doch nicht alle träumen vom Neustart im Alter. Viele träumen auch nur davon, dass es endlich
ein Ende hat mit den Querelen am Arbeitsplatz, mit dem begriffsstutzigen Chef, den missgünstigen
Kollegen, den quengelnden Kunden. Aber gerade diese bescheidenen Träume sind die am wenigsten
haltbaren. Ein paar Monate vergehen, und der Ärger beginnt zu fehlen. Wo bleibt das Schrillen
des Telefons, das Dauerping frischer E-Mails? Kein Adrenalinstoß, kein Grund, unter der Dusche zu fluchen,
kein unerschöpflicher Gesprächsgegenstand in allen funkelnden Facetten des Büroflurverdrusses. ...'
'... Alles, was im Ruhestand gemacht wird, könnte ebenso gut unterlassen werden. Das ist das
kleine schmutzige Geheimnis der Altersfreizeit. Die Rente kommt so oder so – das ist gut für
den Schlaf, aber schlecht fürs Aufstehen. Nach einigen Jahren haben Pensionäre oft dasselbe
Problem wie Dauerarbeitslose: Sie können sich zu nichts mehr aufraffen. Selbst Dinge, die zuvor
gehetzt und nebenbei erledigt wurden,
türmen sich nun, da Zeit im Überfluss vorhanden ist, zu kaum bewältigbaren Aufgaben. ...'
'... Welchen Sinn haben überhaupt Dinge, die man bloß für sich selber tut? ...'
'... Wo also hin mit der Tatkraft, die vielleicht noch vorhanden ist, sich aber nicht
damit zufriedengibt, ein Privatleben mit privaten Wunscherfüllungen auszupolstern?
Darum schlägt im Alter die Stunde des Ehrenamts. ...'
'... Wer Herausforderung und Belastung sucht, ist hier an der richtigen Stelle. Das Ehrenamt bringt alle schmerzlich vermissten Querelen des früheren Berufslebens zurück, den Kampf der Eitelkeiten, des Ehrgeizes, der Besserwisserei. Ehrenämter können sogar echtes Burn-out hervorbringen und an den Rand der Erschöpfung führen. Aber was sie geben, ist Anerkennung, Genuss der eigenen Leistungsfähigkeit, ein Gefühl des Gebrauchtwerdens – das oft gar kein Gefühl ist, sondern Einsicht in echte Notwendigkeit.
Gemeinnütziges Engagement erlöst von dem Alterserlebnis der Überflüssigkeit. ...'
1000 Euro im Monat bekommen, ohne etwas tun zu müssen? Ein Grundeinkommen sei eher
möglich als viele denken, sagt der Soziologe Jürgen Schupp. Und warnt vor einem Irrtum.
(Abo)
"Bislang galt immer: Jede Arbeit ist besser als Langzeitarbeitslosigkeit.
Dadurch mussten viele Menschen Jobs machen, die sie entwürdigend fanden."
"Gerade junge Menschen sind offen für ein neues Sozialsystem."
"Durchschnittsverdiener würden vermutlich kaum etwas von 1000 Euro Grundeinkommen übrig haben."
"Jobs ablehnen zu können, ist der Charme des Grundeinkommens"
"Menschen würden Jobs ablehnen mit schlechten Löhnen und Arbeitsbedingungen – aber sie würden trotzdem noch etwas tun."
'... ZEIT ONLINE: Schon jetzt monieren Kritiker des Grundeinkommens, dass sie
nicht Steuern zahlen wollen für ein System, in dem andere sich ohne eigene Leistung finanzieren lassen.
Schupp: Gäbe es mehr Forschung, ließe sich diese Sorge vielleicht beseitigen – indem sie zeigt,
dass es bei der großen Mehrheit eben doch eine eigene Leistung für die Gemeinschaft gibt.
Es kann am Ende aber auch die Erkenntnis stehen, dass das Grundeinkommen doch nicht
geeignet ist als große Hoffnung unseres Sozialsystems. ...'
Manche Linke wollen die Arbeit abschaffen. Sozialistinnen und Sozialisten wollen sie verändern.
'... Im Jahr 1983 war die besagte Gruppe jedoch der Auffassung, die Bezeichnung
»Tag der Arbeit« sei überflüssig. Auch wenn die holländische Regierung den Tag – hauptsächlich
wegen der zeitlichen Überschneidung mit dem »Tag der Königin« am 27. April – nie als Feiertag
anerkannt hatte, blieb er für linke Parteien von Bedeutung und wurde mit großen Demonstrationen
und Feierlichkeiten in holländischen Städten begangen. Die Gruppe schlug vor, den 1. Mai
zum »Tag gegen Arbeitsethos« (Dag tegen het arbeidsethos) umzubenennen und mit ihm den Aufbruch
in eine Welt zu feiern, in der die Menschheit von der »Pflicht zur Arbeit« ein für alle Mal
befreit sein würde. Zu Beginn des Jahres hatten bereits einige Mitglieder im Amsterdamer Kino
Rialto die »Niederländische Vereinigung gegen Arbeitsethos« (Nederlandse Bond Tegen het Arbeidsethos) gegründet,
die es sich zur Aufgabe machte, den »freiwillig Arbeitslosen« (bewust werklozen) eine Stimme zu geben. ...'
'... Die Opposition der etablierten Linken milderte die Ambitionen der Vereinigung gegen
Arbeitsethos jedoch kaum. In den 1980er Jahren wuchs die Vereinigung zu einer der lautesten
Stimmen der Anti-Arbeits-Bewegung an und gab das monatlich erscheinende Magazin Luie Donder
(Die Stinkfaulen) heraus. Somit stimmte sie in den stetig wachsenden Chor derjenigen
Linken ein, die glaubten, dass die »Gesellschaft der Arbeit« ihr Ende gefunden hatte. ...'
'... Die Gegner der Arbeit wähnen die empirischen Beweise auf ihrer Seite. »Die überwältigender
Mehrheit der Menschen«, so schreiben Srnicek und Williams, »sieht in ihrer Arbeit weder Sinn
noch Erfüllung oder Erlösung«, sondern »einfach nur etwas, das die Rechnungen bezahlt«. ...'
'... Als erstes wirft die anhaltende Unfähigkeit, die Begriffe »Arbeit«, »Einsatz« und »Beschäftigung«
sinnvoll voneinander zu unterscheiden, Zweifel auf.
Es ist natürlich äußerst kompliziert, sie in unserer derzeitigen Gesellschaft auseinanderzuhalten. ...'
'... Der platonische Hass auf die Demokratie und auf die Arbeit sind also untrennbar miteinander verbunden.
Die Historikerin Ellen Meiksins schreibt dazu: »Es besteht kein Zweifel daran, dass die
griechischen Gegner der Demokratie wie Platon, Xenophon und sogar Aristoteles eine tiefe
Abneigung gegen Erwerbsarbeit und diejenigen, die genötigt waren sich damit abzugeben,
hegten … Schwierig wird es allerdings, wenn diese aristokratischen Abneigungen als repräsentativ
für den Ethos der gesamten Athenischen Bevölkerung angenommen und sogar auf die Arbeitenden bezogen
werden, die die hauptsächliche Zielscheibe antidemokratischer Haltungen waren. Diese Tendenz zur
Generalisierung eigentlich rein aristokratischer Haltungen gibt es über alle ideologischen Grenzen
hinweg und sie spielt eine wichtige Rolle in konservativen Geschichtsschreibungen.«
...'
'... »Arbeitsethos« war ein Grundpfeiler radikalen Denkens seit der frühdemokratischen Bewegung
der Levellers und Diggers, um die »einfachen Leute« gegen aristokratische
Rentiers, unverbesserliche Bourgeois und wuchernde Grundbesitzer zusammenzubringen. ...'
'... Die Post-Arbeits-Bewegung bringt sich also durch ihren Versuch das »Arbeitsethos«
zu überwinden in einen massiven strategischen Nachteil. Da die Abwesenheit von Arbeit in unserer
Gesellschaft dermaßen stark mit Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht wird, ist es sehr
schwer, Menschen davon zu überzeugen, dass der Bezug von Arbeitslosengeld eine emanzipatorische
Wirkung haben soll. Genau das war natürlich die Absicht der »freiwillig Arbeitslosen«: Sie wollten der Arbeitslosigkeit
den Makel nehmen und ein Leben jenseits der Lohnabhängigkeit vorstellbar machen. ...'
'... Die Reaktion der Post-Arbeits-Bewegung auf die Gräuel der Arbeit tendiert demnach dazu,
sich der amourösen Beziehung ganz und gar zu entziehen und eine sicheres Dessinteresse an dessen
Stelle zu setzen. Anstatt also eine Welt zu schaffen, in der die Voraussetzungen für Missbrauch keine Chance mehr haben,
wollen sie den gesamten morschen Überbau der »Arbeit« ein für alle Mal loswerden. ...'
'... Was Konservative an Arbeit interessiert, ist demnach nicht die Möglichkeit der
Selbstbestimmung, sondern die Hochachtung vor Autoritäten, die aus ihr entspringt. ...'
'... Aber »Arbeit, bei der man unterwürfig sein muss, ist keine echte Arbeit«,
wie es mit der amerikanischen Historiker James D. Steakley einmal formuliert hat. ...'
'... Nehmen wir einmal an, die Gesellschaft hätte sich komplett von den Motiven des Marktes losgesagt
und niemand müsste noch seine Arbeitskraft verkaufen, um überleben zu können. Auch in dieser Situation
stellen wir uns möglicherweise noch die Frage, ob es machbar (oder gar erstrebenswert)
wäre, dass jedwede Tätigkeit in reiner
Spontanität ausgeführt werden könnte, während Maschinen die Drecksarbeit übernehmen würden. ...'
'... Das erklärt auch ihren Hang zu einer der meist diskutierten gesellschaftlichen Maßnahmen
unserer Zeit – dem sogenannten »Grundeinkommen«. Schon 1979 charakterisierte Michel Foucault Milton
Friedmans Vorschlag einer negativen Einkommenssteuer (konzeptuell dem Grundeinkommen sehr ähnlich)
als eine »weniger disziplinarische und autoritäre« Form der Wohlfahrt. Wie Foucault selber befand,
wäre es mit so einem garantierten Einkommen »den Menschen selbst
überlassen, zu arbeiten, wenn sie wollen, und nicht zu arbeiten, wenn sie nicht wollen«.
Das wiederum impliziere auch »die Möglichkeit, niemanden zur Arbeit zu zwingen, der
kein Interesse daran hat«. Friedman könnte damit der Linken im Westen dabei assistieren,
die Wohlfahrt von einem »disziplinarischem« in ein »libertäres« Modell umzuwandeln. ...'
'... Knappheit (englisch scarcity) ist in der Volkswirtschaftslehre das
Missverhältnis zwischen den unbegrenzten Bedürfnissen der Menschen und den zu
ihrer Bedürfnisbefriedigung begrenzt zur Verfügung stehenden Gütern und Dienstleistungen.
Das Gegenteil ist der Überfluss. ...'
Überflussgesellschaft
'... Überflussgesellschaft (engl. affluent society) bezeichnet – umgangssprachlich oft abwertend – eine von materiellem Überfluss für breite Bevölkerungsteile geprägte Gesellschaft. ...'
Am 19. März 2011 fand im traditionsreichen Kongresshaus Zürich eine mit
600 Teilnehmern restlos ausgebuchte Grundeinkommenskonferenz statt.
Unter dem Motto ‹Die neue Schweiz› diskutierten Prominente aus Politik,
Wirtschaft,Wissenschaft und Kunst die Idee eines bedingungslosen
Grundeinkommens, besonders als schweizerische Perspektive. Philip Kovce war in Zürich dabei und berichtet.
'... In meinem Leben hatte ich schon mehrfach verschiedene
Erfahrung mit unterschiedlichen Formen eines Grundeinkommen
gemacht, sowie auf dem Arbeitsmarkt. Angefangen hat das Ganze, als ich 18 Jahre alt
wurde und eine 6-stellige DM-Summe in meine Verfügungsgewalt überging. ...'
Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble im Interview mit der Frankfurter Rundschau
'... Dieses Land gibt einschließlich der Sozialversicherungen etwa eine Billion Euro
Sozialleistungen im Jahr aus. Das sind im Durchschnitt 12.500 Euro pro Kopf der Bevölkerung.
Da muss man schon die
Frage stellen, ob wir die Effizienz unserer Sozialleistungen nicht verbessern können. ...'
Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble im Interview mit der Frankfurter Rundschau
'... Dieses Land gibt einschließlich der Sozialversicherungen etwa eine Billion Euro
Sozialleistungen im Jahr aus. Das sind im Durchschnitt 12.500 Euro pro Kopf der Bevölkerung.
Da muss man schon die
Frage stellen, ob wir die Effizienz unserer Sozialleistungen nicht verbessern können. ...'
Historische und systematische Überlegungen zum Verhältnis von Arbeit und Leben
Abstrakt
Ausgehend von den politischen und anthropologischen Vorstellungen
der Antike (Platon, Aristoteles) und den Konsequenz der liberalistischen
Wirtschaftstheorie für die Arbeitswelt (Locke, Smith) werden alternative
Ansätze für eine gerechtere Verteilung der Arbeit im Utopismus (Morus, Campanella, Skinner)
sowie daraus resultierende sozialphilosophische Modelle für eine Neudefinition der Arbeit im Sinne komplexer
Beschäftigungsformen und einer Entkopplung vom Erwerb behandelt (Gorz, Taureck).
'... Preisniveauneutraler Effekt einer Mehrwertsteuererhöhung bei gleichzeitiger Senkung des Nettopreises wegen des Sinkens bestimmter Steuern/Abgaben ...'
Herausgegeben von Michael Borchard im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung
Mit Beiträgen von Dieter Althaus, Michael Opielka, Wolfgang Strengmann-Kuhn,
Alexander Spermann, Joachim Fetzer, Michael Schramm und Matthias Schäfer
Während sich erste Ministerpräsidenten der CDU für ein Grundeinkommen erwärmen, wettert der Spitzenkandidat der
Berliner Humanwirtschaftspartei Johannes Heinrichs dagegen und bezeichnet das Konzept als »Pseudo-Utopie«.
In den Veranstaltungen geht es um die Geschichte des „Arbeitszwangs“ von den ersten Arbeitshäusern über
Notstandsarbeit, Arbeitsdienst, Zwangsarbeit bis zum aktuellen Ein–Euro-Job.
Der Text stellt die ausgearbeitete Version ihres Vortrags im Workshop „Grundeinkommen
und soziale Inklusion“ auf der Konferenz „Grundeinkommen. In Freiheit tätig sein“ am 7.-9. Oktober 2005 in Wien dar.
Der Chef der Drogeriemarktkette DM, Götz Werner, über Lohnnebenkosten, Arbeitslosigkeit, Einkommensteuer
und seine Vision von einer Gesellschaft, die nicht mehr die Erwerbstätigkeit in den Mittelpunkt stellt
Aus der Gruppe junger Wirtschaftswissenschaftler am Lehrstuhl von Prof. Dr. Bertram Schefold
an der Universität Frankfurt/Main entstanden Anfang der 1980er die „Alemantschen“.
Es ist eine Wortschöpfung aus Alemannen und Comanche, die aus der ostkalifornischen
Wüste entstammen und den Vormarsch der Spanier stoppten. Die Alemantschen
trugen, statt daran zu verzweifeln, zahlreiche Fakten über das gescheiterte
keynesianische Projekt, die Rolle der Jugend und den Weltkrieg gegen die Umwelt
zusammen und entwarfen Alternativen. U. a. waren dabei: Georg Beck, Jürgen Bonn,
Klaus-Uwe Gerhardt, Carlo Jaeger, Klaus Keding, Ruedi Lüscher (†), Gudrun Reinhardt,
Markus Rohner, Meinrad Rohner-Wigand, Vreni Schwarzenegger, Arnd Weber,
Hannelore Wegener, Susanne Wegener, Gisela Weise, Cornelia Wicht,
Margot Wigand und Karin Wittstock (kommentiert von KUG am 31.03.2007).