[ 200 x HTML ] [ 300 x PDF ]



www.archiv-grundeinkommen.de:

Materialien zur Frage
" Arbeit - Was ist das?"
und zum Konzept des
Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE)

Begriffsklärung

Ein Grundeinkommen ist ein

  1. allen Menschen individuell zustehendes und garantiertes,
  2. in existenzsichernder Höhe (Armut verhindernd, gesellschaftliche Teilnahme ermöglichend),
  3. ohne Bedürftigkeitsprüfung (Einkommens- / Vermögensprüfung),
  4. ohne Arbeitszwang und -verpflichtung bzw. Tätigkeitszwang und -verpflichtung

vom Staat ausgezahltes Grund-Einkommen. Weitere Einkommen sind anrechnungsfrei möglich. Alle genannten Kriterien kennzeichnen das Grundeinkommen als ein bedingungsloses. Es gibt schlicht und ergreifend keine Bedingung für den Bezug des Grundeinkommens. Dadurch unterscheidet sich ein Grundeinkommen von einer Grund- oder Mindestsicherung. Ein Grundeinkommen ist kein sozialpolitisches Projekt, welches versucht, Marktdefekte zu reparieren. Es ist ein Projekt für mehr Freiheit, Demokratie und Menschenwürde. Es weist über die bestehende Gesellschaft hinaus.

[...] Ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist zu ergänzen durch das Recht auf Unterbrechung der Arbeit, auf kostenfreien Zugang zu öffentlichen Gütern (Mobilität, Bildung, Kultur, Gesundheitsprävention und -versorgung usw.), auf Multiaktivität inkl. der dazu notwendigen Infrastrukturen und auf Bildung, die den Bürger als Mensch und nicht nur als Arbeitsbürger zum Ziele hat. [Quelle]

Ist ein Bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar?

"... Schlussfolgerungen:
Ein bedingungsloses Grundeinkommens in existenz- und teilhabesichernder Höhe ist nicht allein durch die Umschichtung von Sozialausgaben und den Abbau von Bürokratie zu finanzieren. Es erfordert außerdem deutliche Erhöhungen bestehender Steuern und/oder die Einführung neuer Steuern.

Welche Steuern erhöht, reformiert oder ggf. eingeführt oder rückgeführt werden sollten, hängt von den verfolgten Zielen ab. Wenn eine stärkere Umverteilung gewünscht wird, dann sollten eine höhere progressive Einkommensteuer, eine höhere Erbschaftsteuer und ggf. eine Vermögenssteuer im Zentrum der Finanzierung stehen.

Wenn der Klimaschutz ein Ziel ist, dann sollte eine CO2-Steuer eine wichtige Rolle spielen.

Wenn weder Umverteilung noch Klimaschutz Ziele sind, dann wäre eine Finanzierung über eine Konsumsteuer oder eine lineare Einkommensteuer erstrebenswert.

Unabhängig von der genauen Ausgestaltung wäre das für ein Grundeinkommen erforderliche Gesetzespaket das größte in der Geschichte der Bundesrepublik. Es müsste nicht nur die Steuergesetzgebung, sondern auch das gesamte System der sozialen Sicherung in der einen oder anderen Form geändert werden.
(Gibt es hier bereits konkrete Pläne, Studien, Paragraphen, Gesetzesvorschläge? Welche Gesetze müßten wie geändert werden? Welche Juristinnen, Professoren, Institute arbeiten wie konkret daran? (wr))
Da noch kein Land der Welt ein auf Dauer angelegtes Grundeinkommen in existenz- und teilhabesichernder Höhe für alle Bürger eingeführt hat, sind seine Auswirkungen schwer abzuschätzen. Um die damit verbundenen Unsicherheiten zu verringern, sollte ein Grundeinkommen nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise eingeführt werden. ..." [Quelle]

"... Was würdest du arbeiten, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre? ..."

"... Das Grundeinkommen wird oft missverstanden. Es ist kein zusätzliches, sondern ein grundsätzliches Geld. ..." [Quelle]

"... Grundeinkommen heißt nicht mehr Geld, sondern mehr Sicherheit. ..." [Quelle]

"... Den Steuerfreibetrag als BGE ausbezahlen. Das wäre ein möglicher Einstieg ins Grundeinkommen. ..."

"... Das Bedingungslose Grundeinkommen ist eigentlich nur eine größere Steuerreform. ..."

"... Das Grundeinkommen ist ein monatlicher Liquiditätsvorschuss, den nur diejenigen nicht über Steuern zurückzahlen, die es nicht können. ..." [Quelle]

"... Substitutives versus additives Grundeinkommen. ..."

"... Mangelwirtschaft versus Überflußwirtschaft ..."

"... Das Grundeinkommen trennt nicht Arbeit von Einkommen. Es trennt Erwerbsarbeit von Existenzsicherung! ..."

"... Jede Erwerbsarbeitsstunde vergrößert in einer Grundeinkommengesellschaft das individuell zur Verfügung stehende Einkommen.
Es besteht nach wie vor ein finanzieller Anreiz erwerbszuarbeiten, falls individuell ein hoher Konsum gewünscht wird. ..."

"... Das Label 'Bedingungsloses Grundeinkommen' ist schlecht gewählt.
'Negative Einkommensteuer' finde ich rationaler und leichter zu argumentieren. ..." [Quelle]

"... Was der Verbrauchsteuer heute tatsächlich fehlt, ist eine soziale Komponente, die progressiv wirkt. Damit sie progressiv wirkt, braucht sie einen Steuerfreibetrag: Das bedingungslose Grundeinkommen. ..."

"... Das Grundeinkommen ersetzt bestehende Sozial-Leistungen bis zu seiner Höhe. Bedarfe darüber hinaus können beantragt werden. Die Höhe muss existenzsichernd sein und die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Es gibt keine Bedarfsgemeinschaften, sondern es ist ein individueller Rechtsanspruch. ..."

"... Ein Grundeinkommenmodell kann sozialstaat-ergänzend oder auch sozialstaat-abschaffend sein. ..."

"... Wer bin ich, wenn ich nicht arbeite? ..."

'... Außerdem kann Erwerbsarbeit – überhaupt etwas zu tun zu haben – auch einfach ablenken von den großen Sinnkrisen des Lebens oder Gedanken an den Tod ...'

"... Wie organisiert man ein (kapitalistisches) Unternehmen auf der Basis von ehrenamtlicher Arbeit? ..."

"Ist Altersrente ein BGE? Oder kann sie in bestimmter Hinsicht als solches betrachtet werden?"
"Empfinden Rentenbezieher:innen ihre Rente als BGE? Wie verhalten sie sich mit einer (BGE-)Rente?"
"Sind Rentner:innen ein geeignetes BGE-Forschungsthema?"

"Universal Basic Income is capitalism where income doesn't start at zero." - Karl Widerquist

Begriffe im Umfeld

Über 200 HTML-Materialien des BGE-Archives (ohne pdf)

  1. 04.05.2026: KI-Antwort des LLM ChatGPT:
    Stell' Dir vor, Du bist sehr reich und hast kleine Kinder.


    Du bist so reich, dass Du und Deine Kinder und Deine eventuellen Enkel nie erwerbsarbeiten müssen. Das sei sicher (so die Zivilisation nicht zusammenbricht).

    Wie würdest Du Deine Kinder unter solchen Voraussetzungen erziehen? Was sollten sie lernen?

    Würde Deine Antwort in einer Gesellschaft, welche ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt hätte, ähnlich ausfallen?
  2. : heise.de/hintergrund:

    KI nimmt uns die Jobs weg – wenn wir Glück haben

    Angesichts der demografischen Entwicklung sollten wir begrüßen, wenn KI künftig Jobs ersetzt, statt sie dabei zu bremsen, findet unser Autor Bertram Sändig.

    '... Wirtschaftskraft entsteht vereinfacht aus zwei Dingen: Wie viele Menschen arbeiten – und wie produktiv sie sind. In den vergangenen Jahrzehnten hatten die OECD-Staaten eine „demografische Dividende“: ...'

    '... Aladin El-Mafaalani, Professor für Migrations- und Bildungssoziologie an der TU Dortmund, zeigt, dass in den kommenden 15 bis 20 Jahren jährlich rund 1,2 bis 1,3 Millionen Menschen in den Ruhestand gehen, während lediglich etwa 800.000 junge Menschen neu in den Arbeitsmarkt eintreten. Eine strukturelle Lücke von 400.000 bis 500.000 Arbeitskräften pro Jahr.
    Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Migration der vergangenen Jahrzehnte diese Schieflage nur teilweise kompensieren konnte. Selbst optimistische Zuwanderungsszenarien schließen die entstehende Lücke daher rechnerisch nicht. ...'

    '... Multimodale Modelle – also generative KI, die Bild, Ton und Video verarbeiten kann und gleichzeitig die komplexen Beziehungen zwischen Konzepten so versteht, wie wir es von Sprachmodellen inzwischen kennen – versprechen der Robotik ganz neue Schübe zu verpassen. ...'

    '... Vielleicht finden wir uns in einer Welt wieder, in der es weniger Anwälte, Börsenmakler und Marketingstrategen braucht – und dadurch menschliche Kapazitäten frei werden für Bereiche, in denen sie unersetzbar sind: in der Pflege und im Handwerk. ...'

    '... Um so einen Wandel zu überstehen, muss eine Gesellschaft diejenigen auffangen, die davon am härtesten getroffen sind. Radikale Automatisierung verlangt nach radikaler sozialer Sicherung. ...'

    '... Um Systemstabilität und Kaufkraft zu sichern, brauchen wir Wege, wie die enormen Effizienzgewinne der KI nicht nur in den Bilanzen der Technologieanbieter, sondern auch in der Breite der Gesellschaft ankommen. Es ist ein pragmatischer Deal: Akzeptanz für radikale Automatisierung im Tausch gegen soziale Absicherung. ...'

    '... Und gleichzeitig sollten wir diesen gewaltigen Wandel mit sozialen Maßnahmen begleiten, die seine Opfer auffangen und gewährleisten, dass der Reichtum, der durch Automatisierung entsteht, der gesamten Gesellschaft zugutekommt. Denn die Alternative zum Wandel ist nicht der Status quo. Die Alternative ist der Abstieg. ...'

  3. : ifo.de:

    Über 500 verschiedene Sozialleistungen in Deutschland

    '... In Deutschland gibt es derzeit über 500 verschiedene Sozialleistungen. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Forschungsbericht des ifo Instituts, der alle Sozialleistungen auf Bundesebene dokumentiert. „Ursprünglich wollten wir Ausmaß und Wirkung aller Sozialleistungen berechnen. Die Vielzahl an Vorschriften und Leistungen ließ diese Aufgabe beinahe unlösbar erscheinen. Statt der Quantifizierung entstand deswegen zunächst nur eine Inventarliste aller Sozialleistungen auf Bundesebene“, sagt Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen. ...'
  4. : nomos-shop.de:

    Dr. Klaus-Uwe Gerhardt: Ein Bürgergeld für alle?

    Geschichte und Zukunft eines liberalen Vorschlags
    Nomos, 1. Auflage 2025, 372 Seiten
    ISBN 978-3-7560-2306-6
    39 Euro
    Vor mehr als zwei Jahrhunderten wurden in England Lohnzuschüsse für Geringverdienende und Arbeitslose eingeführt. Das als Speenhamland bekannte System wurde gelobt, kritisiert und persifliert. Nach dem Stand der Forschung trugen nicht nur niedrige Energie- und Transportkosten, sondern auch relativ hohe Löhne und Lohnsubventionen zum Vorsprung der britischen Wirtschaft bei, da sie die Massenkaufkraft steigerten. Diese Studie analysiert das Speenhamland-System, seine Funktionsweise und Auswirkungen, und untersucht, warum es trotz positiver Effekte nach 40 Jahren abgeschafft wurde. Die Analyse bietet ein differenziertes Verständnis des Potenzials von Grundeinkommenspolitiken zur Bewältigung sozialer Ungleichheit und der Klimakrise.
  5. : zeit.de:

    "Trump gab mir seine Nummer. Ich werde anrufen, wenn ich verhindern kann, dass Millionen sterben"

    Bill Gates erzählt, wie er mit den Reichsten um Trumps Aufmerksamkeit ringt, was er Elon Musk raten würde und von seiner Kindheit, in der sein Autismus noch keine Diagnose war.

    '... ZEIT: Digitale Märkte tendieren dazu, dass die Gewinner alles bekommen. Falls die von Ihnen beschriebene Entwicklung kommt, was können Regierungen tun, um ein Verteilungsergebnis zu erzielen, das zu einer stabilen Gesellschaft führt?
    Gates: Das ist keine einfache Sache. Es gibt Dinge wie die Steuergutschrift für Erwerbseinkommen, das ist ein Konstrukt der USA (ähnlich einer Grundsicherung, Anm. d. Red.). Davon brauchen wir vielleicht eine Menge. Werden wir uns dafür entscheiden, die Arbeitswoche zu verkürzen? Wenn man erst einmal diesen massiven Produktivitätsschub hat, sind das die Dinge, über die man anfangen muss nachzudenken. [...]
    ZEIT: Warum haben Sie das Erbe Ihrer Kinder begrenzt?
    Gates: Als Gefallen für sie! Ich glaube an eine Erbschaftsteuer, mein Vater und ich haben uns für ihre Einführung eingesetzt. Wenn man nicht an dynastischen Reichtum glaubt, spielt die Erbschaftsteuer eine sehr wichtige Rolle für eine dynamische Gesellschaft. Ich würde auch das Steuersystem progressiver gestalten, aber nicht wie Bernie Sanders (ein einflussreicher linker Politiker der US-Demokraten, Anm. d. Red.), der sagt, es sollte in den USA keine Milliardäre geben. Auch wenn ich da natürlich voreingenommen bin. Ich würde mich sorgen, dass man die Anreize verkompliziert, wenn man da zu weit geht.
    ZEIT: Aber Sie sagen, dass man nicht als Milliardär geboren werden sollte?
    Gates: Das ist meine Ansicht. Die Erbschaftsteuer sollte bei Erbschaften von hohem Niveau bei mehr als 90 Prozent liegen.
    ZEIT: Sie sind seit zwei Jahren Großvater. Was bringen Sie Ihren Enkeln bei, um sie vorzubereiten auf eine Welt, in der KI alles weiß?
    Gates: Wenn wir den Extremfall erleben, dass die Maschinen in allem besser sind, gibt es keine wirklich gute Antwort. Die Werte der Gesellschaft werden sich ändern müssen, weil wir dann in einer Welt des Überflusses leben, nicht in einer Welt des Mangels. Menschen, die in einer Welt des Mangels gelebt haben, fällt es sehr schwer, sich das vorzustellen. Das wird dann fast religiös oder philosophisch: Wie sollten Menschen ihre Zeit verbringen? Eines meiner Kinder macht eine Ausbildung zur Ärztin. Ich habe ein Kind, das Unternehmer ist, und eines, das sich politisch engagiert. Ich bin sehr stolz auf das, was sie tun, aber ich habe sie nicht dazu gedrängt. Ich habe meine Kinder immer ermutigt, sich mit Dingen zu beschäftigen, die ihnen Spaß machen, denn dann werden sie darin sehr gut. Es ist besser, wenn man etwas tut, das man wirklich, wirklich, wirklich mag.
    ZEIT: Man muss das mögen, was man tut, und nicht das Geld, das man verdient?
    Gates: Nicht jeder hat das Glück wie ich, etwas zu finden, das man auch ohne Bezahlung tun würde. Aber ich denke, dass man immer in den Bereichen fantastische Arbeit leistet, zu denen man sich hingezogen fühlt und bei denen man andauernd darüber nachdenkt, wie man sie verbessern kann. ...'

  6. : zeit.de/arbeit:

    Was Rentner Arbeitnehmern raten

    Viel oder wenig arbeiten? Auf den Chef hören – oder lieber widersprechen? Rentner und Rentnerinnen geben Tipps, wie man glücklich durch das Berufsleben kommt.
    (Abo)

    - 2. Wenn ihr im Rentenalter nicht einsam sein wollt, braucht ihr mehr Interessen als die Arbeit.
    - 3. Seid nett zu euren Kollegen und Kolleginnen, alles andere kostet nur Nerven und Zeit.
    - 4. Passt auf, dass ihr euch im Job nicht mit nutzlosen Aufgaben beschäftigt.
    - [...]
    - 10. Nehmt euch und eure berufliche Position nicht zu ernst.
    - 11. Sucht euch rechtzeitig Freunde, die später die Rente mit euch verbringen.
    - 12. Carearbeit ist Arbeit. Irgendwann muss auch euch jemand pflegen.
    - 13. Genießt das Arbeitsleben. Im Ruhestand vergeht die Zeit gefühlt doppelt so langsam.
    - [...]
    - 16. Arbeit gibt Selbstbewusstsein.
    - 17. Engagiert euch ehrenamtlich. Alles andere ist unsozial.
    - 19. Bekommt Kinder, auch wenn die beruflichen und privaten Umstände kompliziert sind.
    - 25. Hört auf zu arbeiten, wenn ihr es euch finanziell leisten könnt.
    - 44. Die Arbeit hält euch fit.
    - 50. Menschen mit mehr Berufserfahrung wissen nicht alles besser.

  7. : econtent.hogrefe.com/doi:

    (How) Would You Continue Working? A Comparison of Responses to the Lottery Question and a Basic Income Question

    (Wie) Würden Sie weiterarbeiten? Ein Vergleich der „Lotteriefrage“ mit einer Frage zum Bedingungslosen Grundeinkommen

    Zusammenfassung: Die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens (engl. Basic Income; BI) wird kontrovers diskutiert. Eine zentrale psychologische Frage ist, ob die meisten Beschäftigten wegen des BI aufhören würden zu arbeiten oder dies, entsprechend der Forschung zur „Lotteriefrage“ (Lottery Question), nicht zu erwarten ist. Wir untersuchten diese Frage in zwei Befragungen mit 268 und 640 Beschäftigten, in der wir ihre Pläne bezüglich Erwerbstätigkeit im Fall eines Lottogewinns („Lotteriefrage“) oder der monatlichen Auszahlung eines BI (BI Frage) sowie ihre Gründe weiterzuarbeiten erfassten. Mehr als 90 % (Studie 1) und mehr als 80 % (Studie 2) der Teilnehmenden planten in beiden Szenarien weiterzuarbeiten. Auf die BI Frage gaben mehr Teilnehmende an, dass sie wie zuvor weiterarbeiten würden und weniger planten, eine andere Arbeit aufzunehmen oder nicht weiterzuarbeiten. Finanzielle Gründe weiterzuarbeiten wurden beim BI häufiger berichtet. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Übertragbarkeit der Forschung zur „Lotteriefrage“ auf das BI begrenzt ist und es spezifischer Forschung zum BI bedarf.

  8. : zeit.de:

    Macht das Bürgergeld faul?

    Neue Daten zeigen: Wenn der Staat zu großzügig ist, wird weniger gearbeitet. Die Anhänger eines bedingungslosen Grundeinkommens sollten ihre Prämissen überdenken.
    (Abo)

    iab.de: IAB-Discussion Paper 7|2024:
    The Dovish Turnaround: Germany’s Social Benefit Reform and Job Findings (pdf, 24 Seiten)

    '... Das alles deutet darauf hin, dass die Einführung des Bürgergelds dazu geführt hat, dass weniger Arbeitslose einen Job annehmen. Laut Weber sechs Prozent weniger im ersten Jahr. Das bedeutet: Wenn zuvor 100 arbeitslose Grundsicherungsempfänger eine Stelle antraten, waren es nach der Reform nur noch 94. ...'

    '... Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ist bei der Bundesagentur für Arbeit angedockt und ein seriöses Institut. Enzo Weber ist ein angesehener Forscher. Man muss die Ergebnisse also ernst nehmen. Die Frage ist, was aus ihnen folgt. Man könnte beispielsweise argumentieren, dass sich die Arbeitslosigkeit (und damit der Fachkräftemangel) durch eine maximale Verschärfung der Sanktionen beseitigen ließe. Das Problem: Der Wirtschaft (und den Arbeitslosen) ist möglicherweise nicht geholfen, wenn Menschen einfach nur irgendeinen Job annehmen, den sie mangels Perspektive nach ein paar Monaten wieder hinwerfen, oder gleich auf der Straße landen. ...'

    '... Und mit der Einführung von Hartz IV wurde mehr Quantität durch weniger Qualität erkauft. Hinzu kommt: Auch der Arbeitsmarkt ist ein Markt, auf dem die Gesetze von Angebot und Nachfrage gelten. Wahrscheinlich würden mehr Menschen eine Arbeit aufnehmen, wenn höhere Löhne bezahlt würden. Der deutsche Sozialstaat ist zwar so organisiert, dass jemand, der arbeitet, praktisch immer mehr Geld zur Verfügung hat als jemand, der nicht arbeitet. Doch vielleicht ist der Abstand nicht groß genug. ...'

    '... Was die Studie aber zeigt: Menschen reagieren auf Anreize. Und wenn man ohne Arbeit einigermaßen über die Runden kommt, dann wird eben in manchen Fällen nicht gearbeitet. Schließlich ist der Job nicht immer eine Form der Selbstverwirklichung. Die Anhänger eines bedingungslosen Grundeinkommens jedenfalls sollten angesichts der Ergebnisse von Enzo Weber vielleicht ihre Prämissen überdenken. ...'

  9. Termin: : baiz.info: Berlin:

    Veranstaltungsprogramm

    Donnerstag, 02.05.2024; 13:00 Uhr vorm BAIZ
    "Heraus zum Zweiten Mai, dem Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen"

    In diesem Jahr möchten wir Euch ein paar Demolosungen unserer Ideenschmiede vorschlagen: Wenn Euch eine anspricht: Einfach auf A4 ausdrucken und mit Gaffer an die Jackenrücken geklebt (hätten wir sonst auch vor Ort und helfen dabei – natürlich auch bei eigenen Ideen). Win-win-win: Die Demo transportiert noch mehr Inhalte und Ihr habt trotzdem die Hände für Bier und Zigarette frei… ;-)

    Mein Freund ist Roboter |
    Wir sind nicht alle, es fehlen die, die arbeiten |

    Musik:
    Arbeitslos durch die Nacht |
    Für mich soll‘s Bürgergeld regnen |
    Mein Freund der Boss ist tot

    Filmtitel:
    Lieber "Karlsson auf dem Dach" als den Arbeitsvertrag in der Hand |
    Lieber “Dancer in the dark” als worker in the hell |
    Büroalltag, “oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben” |
    “12 Uhr mittags” gehört Papi/Mami mir |
    “Für eine handvoll Dollar” habe ich keinen Bock |
    “Land and freedom” statt Büro und Arbeit |
    Die Furchtbare Welt der Arbeitskraft |
    Den “Himmel über Berlin” kann man vom Büro aus nicht sehen |
    Mein Chef ist bei den “Time Bandits” |
    Lohn ist auch nur ein “Quantum Trost” |
    Mehr Zeit für “Ziemlich beste Freunde” |
    “Heißer Sommer” lieber ohne Arbeit |

    & überhaupt:
    Kein Gott, Kein Staat, Kein Arbeitsvertrag |
    Couch statt Coach |
    Lieber einen wackeligen Barhocker als einen festen Arbeitsplatz |
    Der Terror der Arbeit |
    Soll sich das Leben wieder lohnen, dann in den Müll mit den Sanktionen! |
    Wir arbeiten für eine Welt - Da herrscht die Freundschaft, nicht das Geld |
    Allen Schulden stehen immer auch Vermögen gegenüber |
    Basta! hilft dir ohne Rast - Egal welchen Pass du hast. |
    Sozialleistungen für Alle, statt miese Arbeit für Viele |
    Erst das Leben, dann die Arbeit!

    Und jetzt alle:
    WIR HABEN ZEIT! WIR HABEN ZEIT! WIR HABEN ZEIT!

  10. : zeit.de:

    Zu viel Sinn macht krank

    Die Arbeit ist erfüllend, der Job ein Ort für Selbstverwirklichung? Wer das glaubt, erwartet von seinem Beruf meist mehr, als dieser liefern kann.

    '... Sinn ist das große Versprechen von New Work, der dominierenden Arbeitsplatzideologie der jüngeren Vergangenheit. Ihre Fans verwenden lieber die englische Bezeichnung, purpose. Das Große und Ganze in der kleinen Welt des Einzelnen, formuliert in jeder Stellenausschreibung: Arbeit als Erfüllung. Als Mittel zur Selbstverwirklichung. Du willst die Welt verändern oder zumindest ein kleines bisschen besser machen? Dann komm zu uns! Wir sind eine große Familie. Hier kannst du etwas Sinnvolles tun.
    Vergiss es! Die simple Wahrheit ist: Zu viel Sinn macht krank. ...'

    '... Bereits in der Grundschule lernen Kinder, dass Arbeit ohne Sinn "nicht schön" ist. Kann man die Vorstellung, nicht nur für Geld, sondern auch für Sinn zu arbeiten, subversiver einimpfen? ...'

    '... Meist helfen wir anderen, weil wir uns selbst helfen wollen. ...'

    '... Wenn sich Beschäftigte aber davon überzeugen lassen, stärker für einen vermeintlich höheren Zweck zu arbeiten als (in erster Linie) für Geld, dann braucht man ihnen von Letzterem vielleicht auch nicht so viel zu geben. Kurz: Wenn Sinn und Geld erst einmal gleichberechtigt nebeneinanderstehen, kann man seine Leute eben auch in Sinn bezahlen. Eine Zeit lang werden sie das mitmachen. Bis sie irgendwann erkennen, dass sie den versprochenen Sinn nicht finden – und dann an ihrer Tätigkeit oder gleich an sich selbst verzweifeln. ...'

    '... Sinn finden Beschäftigte an ihrem aktuellen Arbeitsplatz offenbar so gut wie nie, aller Bekenntnisse zum Trotz. Nur: Finden sie ihn woanders? Oder sollten sie besser aufhören, danach zu suchen? ...'

    (Abo)
  11. : zeit.de:

    Was wirklich gegen Ungleichheit hilft

    Jeder zweite Deutsche besitzt kaum etwas, das Vermögen konzentriert sich auf die obersten zehn Prozent. Eine unkonventionelle Idee könnte das ändern, zeigen neue Daten.
    (Abo)

    '... Die wichtigste Erkenntnis vorneweg: Wer mehr Gleichheit will, muss vor allem den Armen mehr Geld geben. Den Reichen etwas wegzunehmen, bringt für sich genommen wenig, kann aber zur Finanzierung notwendig sein. ...'

    '... Timm Bönke vom DIW hat auch berechnet, was ein Grunderbe kosten würde – es wäre enorm teuer. Bei einer Höhe von 20.000 Euro müsste der Staat dafür jedes Jahr 17 Milliarden Euro aufbringen. Das ist mehr Geld, als der Bund beispielsweise für die Eisenbahn ausgibt. Ein Grunderbe von 60.000 Euro, wie es die Jusos fordern, würde aber auch 51 Milliarden Euro im Jahr kosten, so viel wie der gesamte reguläre Verteidigungshaushalt. ...'

    '... Bezahlen ließe sich so ein Grunderbe wohl nur mit deutlichen Steuererhöhungen, und so kommen wieder die anderen Vorschläge aus den Berechnungen ins Spiel: Die Jusos schlagen eine Erhöhung der Erbschaftsteuer vor, das DIW eine Vermögensteuer. Beides folgt dem Prinzip: Reichen etwas wegnehmen, um es den Jungen zu geben. Bönkes Berechnungen zeigen allerdings, dass eine Erbschaftsteuer kaum genug einbringen würde, selbst bei einem Satz von 30 Prozent läge der Ertrag bei weniger als vier Milliarden Euro. Die Vermögensteuer wäre schon vielversprechender: Mit einem Satz von sechs Prozent könnte sie etwa so viel abwerfen, wie 60.000 Euro Grunderbe kosten. ...'

  12. : zeit.de/wissen:

    Aber ich arbeite doch so hart …

    Wer im Alltag schuftet, hat sich den Flug nach Ibiza verdient. So ist das in einer Leistungsgesellschaft. Ein Konzept, mit dem sich der Klimaschutz aushebeln lässt

    '... Arbeit ist in der Spätmoderne also nicht nur ökonomische Notwendigkeit, sondern ebenso moralischer Selbstwert. Konkreter: Wer sich jeden Tag ins Büro schleppt, verdient damit im besten Fall nicht nur genug Geld, sondern vermag daraus auch moralische Ansprüche abzuleiten. Etwa sich am Wochenende ehrlos zu besaufen oder die dreitägige Flugreise zu buchen. Das mag zwar für Körper oder Umwelt schädlich sein, erscheint aber buchstäblich verdient. Das Problem an der Sache ist nur: Das gesamte Konzept der Leistungsgesellschaft ist aus mindestens drei Gründen fragwürdig. ...'

    '... Erstens, weil es überhaupt keinen objektiven Maßstab für Leistung gibt. ...'

    '... Zumal zweitens ja hinzukommt, dass die ökonomische Leistungsfähigkeit des Einzelnen in erheblichem Maße von dessen biografischen Startbedingungen abhängt. ...'

    '... Und drittens steht ganz grundsätzlich zur Frage, inwiefern es in einer hochgradig arbeitsteiligen Gesellschaft überhaupt so etwas wie in-dividuelle, also im Wortsinne unteilbare, persönlich zurechenbare Leistung geben kann. Denn nahezu jeder Büroangestellte, jeder Fabrikarbeiter, ja selbst jede Selbstständige ist heute auf derart viel – sichtbare und unsichtbare – Vor-, Zu-, Mit- und Nacharbeit angewiesen, also auf Kollegen, Zulieferer, Abnehmer oder Logistiker, dass jede Leistung de facto eine Art Kollektivleistung ist. ...'

    (Abo)
  13. : focus.de:

    „Nur Narren sagen, bis 2030 gibt es ein bedingungsloses Grundeinkommen“

    Neuerungen wie die Künstliche Intelligenz verbessern die Arbeitswelt, zerstören aber einige Jobs, sagt Georg Vobruba. Damit die Verlierer der Veränderungen nicht gegen die Gewinner aufbegehren, müsse der Staat handeln. An große Würfe, wie ein Grundeinkommen, glaubt er nicht.

    Georg Vobruba beobachtet die Debatte um ein bedingungsloses Grundeinkommen seit 40 Jahren. Obwohl der Soziologie-Professor der Uni Leipzig selbst Sympathie für die Idee hegt, hat er sich damit abgefunden, sie bis zum Jahr 2030 nicht umgesetzt zu sehen. Sie helfe dennoch, die Gesellschaft trotz aller Veränderungen in Wirtschaft und Arbeitswelt in die richtige Richtung zu entwickeln.

    '... Vobruba: KI ist die neueste Sau, die durchs Dorf getrieben wird, aber nicht die erste. Apokalyptische Sorgen, dass uns wegen neuer Technik die Arbeit ausgeht, entstehen alle zehn bis 15 Jahre und waren schon viel weiter verbreitet als heute. In den 1980er- und 1990er-Jahren glaubten das so gut wie alle. ...'

    '... Der technische Wandel liegt im Interesse der Mehrheit der Gesellschaft. Es kann aber nicht sein, dass eine Minderheit, die unter dem Wandel leidet, die Kosten trägt durch Arbeitslosigkeit und Dequalifikation. Sonst zerreißt der Wandel die Gesellschaft. Also muss man diese Minderheit entschädigen: durch neue Jobs vor Ort oder durch Sozialpolitik. Ein vertrauenswürdiger Sozialstaat unterstützt den Strukturwandel, weil Arbeitskräfte wissen, bei Arbeitslosigkeit nicht abzustürzen. ...'

    '... Die Bedeutung der Grundeinkommen-Diskussion besteht nicht darin, ein bedingungsloses Grundeinkommen Knall auf Fall durchzusetzen. Sie besteht darin, kleine Erfolge ermöglicht zu haben ...'

    '... Manche Unterstützer des Grundeinkommens wirken auf mich sektenartig. ...'

  14. : zeit.de:

    "Arbeit darf nicht zur geistigen Verarmung führen"

    Viele Angestellte müssen sich unterordnen und werden nicht wertgeschätzt. Oder haben nur sinnlose Aufgaben. Das gefährdet die Demokratie, sagt der Philosoph Axel Honneth.
    (Abo)

    '... Um zu wissen, weshalb wir uns für das Gemeinwesen engagieren sollten, müssen wir erfahren, warum uns die Nöte und Sorgen anderer etwas angehen – und das geschieht durch die Einbeziehung in Arbeit. Das Arbeiten in Teams, mit Kolleginnen und Kollegen zu kooperieren, solche Erfahrungen sind zentral. ...'

    '... Wenn man unterbezahlt ist, besitzt man kaum die Kraft, sich an der Demokratie zu beteiligen, weil es nur darum geht, täglich den Lebensunterhalts zu sichern. Dasselbe gilt für die Überforderung, denn diese nimmt einem die Energie und Zeit, sich politisch zu engagieren. Meistens fällt ja auch beides zusammen, die Unterbezahlung und die körperliche oder geistige Überforderung am Arbeitsplatz. Kein Wunder, dass die davon Betroffenen wenig Interesse an der Demokratie zeigen und sich vom Rest der Gesellschaft oder den Parteien häufig im Stich gelassen fühlen. ...'

    '... Ich versuche dieses Problem zu lösen, indem ich vorschlage, Arbeit als all das zu verstehen, was zur Aufrechterhaltung des jetzigen Zustands unserer Kultur erforderlich ist. Hegel fasste das kürzer zusammen und sagte: Arbeit ist all das, was einem "allgemeinen Zweck" dient. Verstehen wir Arbeit so, ist klar, dass Hausarbeit oder das unbezahlte Ehrenamt in der Tafel dazu gehört, das Klavierspielen zu Hause oder die sogenannte Gartenarbeit aber nicht. ...'

    '... Ich würde es unter anderem befürworten, wenn alle, sobald sie volljährig sind, ein soziales Pflichtjahr machen müssten, egal ob in einer Klinik, in der Obdachlosenhilfe oder in einem Umweltprojekt. Die Erfahrungen, die ein junger Mensch dort sammeln würde, prägen ihn ein Leben lang und bringen ihn in Kontakt mit Lebenswelten, die ihm ansonsten fremd bleiben. Das ginge letztlich nur über eine staatliche Pflicht, ähnlich wie früher beim Wehrdienst. ...'

    '... Nichts ist schlimmer, als langfristig aus dem Arbeitszusammenhang herauszufallen, man verliert jeden soziale Halt und empfindet sich als überflüssig. Ich will in einer Gesellschaft leben, in der jeder und jede eine Chance hat, einen sinnvollen Beitrag zum Gemeinwohl zu erbringen. ...'

    '... Das Grundeinkommen aus meiner Sicht ein Mittel zur weiteren Privatisierung des Menschen. Der Einzelne würde sich wahrscheinlich nur noch als Empfänger einer staatlichen Zuwendung verstehen und sich immer weiter aus der sozialen Kooperation ausklinken. Das Grundeinkommen garantiert in keiner Weise, dass das Interesse des Einzelnen an sozialen und politischen Zusammenhängen zunimmt. Ich denke eher, dass es das Gegenteil bewirkt und zu einem immer stärkeren Rückzug in die eigene kleine Welt führt, die aus Gleichgesinnten besteht. Daher verstehe ich auch nicht, woher der Glaube kommt, dass sich durch das Grundeinkommen mehr Menschen politisch engagieren würden. Wenn die Privatisierung zunimmt, erlischt vielmehr die Triebfeder demokratischen Engagements. ...'

  15. : zeit.de:

    Wann bin ich alt, Herr Kruse?

    Das Altern wird gerne verdrängt. Der Psychologe Andreas Kruse hat sich über Jahrzehnte mit der Frage befasst, wie sich der Mensch am Lebensende verändert. Hier sagt er, warum man sich davor nicht fürchten muss.

    '... Kruse: Nur wenige gesunde 63-Jährige sagen heute, dass sie sich alt fühlen. Aber viele haben den Eindruck, aufgrund ihres Alters nicht mehr gebraucht zu werden. Das hat desaströse Auswirkungen auf Psyche und Gesundheit. Von Vorruhestandsregelungen halte ich gar nichts. Nach dem Mauerfall habe ich Studien in den neuen Bundesländern durchgeführt. Da wurden die volkseigenen Betriebe geschlossen und Menschen mit Anfang 50 ausgegliedert. Die sagten uns damals: Wir fühlen uns zutiefst alt. ...'

    '... Wenn man von sich sagt, alt zu sein, weil man nicht mehr gebraucht wird, wirkt sich das auf die Emotionalität aus, man verliert die Lebensbindung. Das ist Psychosomatik pur und beeinträchtigt mit der Zeit auch die körperlichen Funktionen. Die amerikanische Psychologin Becca Levy hat herausgefunden, wie bedeutsam die Einstellung zum eigenen Alter ist: Wenn du von dir glaubst, nichts Positives mehr bewirken zu können, geht es körperlich bergab. ...'

    '... Demenzkranke stehen in der öffentlichen Wahrnehmung für den Gegensatz dessen, was wir wertschätzen: Autonomie, Effektivität, Leistungsfähigkeit. ...'

    '... Wer nicht erkennt, wie wichtig es ist, in soziale Beziehungen zu investieren, hat es schwer. Es ist ungemein gefährlich, im Alter auf sich selbst zurückgeworfen zu sein und zu vereinsamen. ...'

    '... Früher galt: Wer nicht mehr produktiv ist, dem gnade Gott. Das prägt unser Bild von den Alten bis heute. ...'

    '... Das heißt, Menschen, die sich schon immer für was Neues interessierten, die offen waren im Austausch, eine zuhörende Haltung gegenüber anderen hatten und keine Scheu, sich mit Unbekanntem auseinanderzusetzen, die werden im Alter ungemein lebendig. Das Interessante daran ist, dass diese Personen auch eine ausgeprägte Veränderungsfähigkeit spüren. ...'


    (Abo)
  16. : zeit.de:

    "Ich habe die Sorge, dass es für uns Reiche nicht gut ausgeht"

    Morris Pearl ist an der Wall Street reich geworden. Nun fordert er aus Angst vor sozialen Unruhen höhere Steuern für Menschen wie ihn – und hat sogar einen Plan.
    (Abo)

    '... Viele Superreiche treiben diese Strategie auf die Spitze. Sie halten fast ihr gesamtes Vermögen in Aktien, leben von Krediten und sterben als reicher Mensch, ohne jemals groß Steuern gezahlt zu haben. Buy, borrow, die – kaufen, leihen, sterben – nennt sich diese Strategie. ...'

    '... Ich bin überzeugt, dass viele der aktuellen Konflikte auch mit der steigenden Ungleichheit zu tun haben. Die Menschen spüren, dass da etwas nicht stimmt. Und ihre Unzufriedenheit entlädt sich gewaltsam. Ich glaube, dass es in unserem Interesse ist, die Ungleichheit zu bekämpfen. In Ländern wie Südafrika können wir ja sehen, wozu extreme Ungleichheit führt. Die Reichen leben dort hinter hohen Zäunen und trauen sich nur mit bewaffnetem Personal vor die Tür. Ich finde diese Aussicht nicht besonders verlockend und habe die Sorge, dass es für uns Reiche nicht gut ausgeht. ...'

    '... Auch wir Reichen wollen doch in einem Land leben, in dem wir uns frei bewegen können, ohne Angst haben zu müssen. ...'

    '... Pearl: Eine Vermögensteuer ist kein Selbstzweck. Sie soll dazu dienen, die Ungleichheit zu bekämpfen. Deshalb macht es doch Sinn, dass sie mit der Ungleichheit steigt, aber auch wieder fällt, wenn diese zurückgeht. Am besten soll das automatisch passieren, ohne dass das Parlament jedes Mal ein neues Gesetz erlassen muss. Wir möchten uns am Vermögen des Durchschnittsamerikaners orientieren, dem sogenannten Median-Vermögen. Wer mehr als tausendmal so reich ist wie der Durchschnittsamerikaner, soll eine Vermögensteuer von zwei Prozent bezahlen. Bei einem Vermögen, das zehntausendmal so hoch ist, würden vier Prozent fällig. So geht das weiter bis zu einem Steuersatz von acht Prozent auf Vermögen, die eine Million Mal so hoch sind. Im Jahr 2021 hätten diesen Höchststeuersatz nur zwei Menschen zahlen müssen: Elon Musk und Jeff Bezos.
    ZEIT ONLINE: Was erhoffen Sie sich von so einer Steuer?
    Pearl: Es würde die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass es bei der Bekämpfung der Ungleichheit auch darum gehen muss, die breite Masse stärker vom Wohlstand profitieren zu lassen. Auch die Reichen hätten daran ein Interesse. Denn je höher das Vermögen des Durchschnittsamerikaners, desto geringer ist die Vermögensteuer für sie. Im Idealfall würde die Ungleichheit auf ein akzeptables Maß schrumpfen und die Vermögensteuer von ganz allein immer weniger Menschen betreffen. ...'

  17. : nzz.ch/feuilleton:

    Ohne Erwerbsarbeit, keine Demokratie, sagt der Philosoph Axel Honneth – und spricht sich gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. Und zwar zugunsten aller Schichten

    Arbeit bestimmt unser Leben. Und sie präge die Demokratie grundlegend, sagt der Sozialphilosoph Axel Honneth. In seinem neuen Buch widmet er sich einem blinden Fleck der politischen Theorie.

    '... Arbeit, hält Honneth fest, dürfe nicht zu einer geistigen und seelischen Verarmung der Menschen führen, die sie ausüben. Deshalb dürfe die Arbeitsteilung nicht zu weit getrieben werden. Arbeit muss Sinn ergeben und als sinnvolle Einheit verstanden werden können. ...'

    '... Nur wer einem Beruf nachgehe, der ihm Anerkennung einbringe, werde von seiner Arbeit erfüllt und könne Selbstbewusstsein aufbauen, lautet eine weitere Forderung, die auf Hegel verweist. Die Unabhängigkeit der Menschen, die eine Arbeit verrichten, ist für Honneth allerdings kein ausreichendes Kriterium für eine gute Arbeit. Ein Arbeitsverhältnis sei nur dann wohlgeordnet, wenn es genügend Zeit für die Familie, ein Ehrenamt, für politische Partizipation zulasse. ...'

    '... Arbeit müsse beim Arbeitenden Selbstanerkennung und Selbstachtung wecken. Nur wer sich selbst achte, fühle sich so stark, eine eigene politische Meinung zu äussern. Honneths Kernthese ist, dass sich demokratische Partizipation und eine freie, menschengerechte Organisation von Arbeit wechselseitig bedingen. ...'

    '... Die Arbeit ist für Honneth deshalb die entscheidende Kraft, weil sie Menschen unterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen Milieus zusammenführt. Bei der Arbeit und rund um sie herum lernen sie einander kennen und tauschen sie Erfahrungen aus. So werde der «Geist demokratischen Miteinanders» erst geweckt. Zum Ende hin spitzt Honneth dieses Argument zu und schlägt eine ein oder zwei Jahre andauernde staatliche Dienstverpflichtung zu gemeinwohlorientierten Tätigkeiten vor. Nur so, sagt Honneth, sei «die demokratische Grundtugend des Hineinversetzens in unvertraute Existenzformen und Lebensschicksale zu erlernen». ...'

    '... In einem Exkurs zur Geschichte des Arbeitsbegriffs verblüfft Honneth mit dem Nachweis, dass über lange Zeit nur das als Arbeit galt, was mit einem Produkt oder einem bearbeiteten Gegenstand in Verbindung steht. Von John Locke über Hegel und Marx bis zu Max Weber und Hannah Arendt – sorgende Tätigkeiten, Kochen, Putzen, Transportieren galten nicht als Arbeit. Erst mit dem Ersten Weltkrieg ändert sich dies, als Krankenschwestern Kriegsverwundete pflegen. ...'

    '... Honneth lehnt das «bedingungslose Grundeinkommen» ab, mit der Begründung, Bezüger eines solchen Einkommens würden abgeschrieben, fielen aus dem Gesellschaftlichen heraus. ...'

    '... Mit diesem Buch legt er eine Sozialphilosophie der kleinen Leute vor. Er wirbt für die Anerkennung der Leistungen von Arbeitskräften auf den unteren Stufen der gesellschaftlichen Leiter und will diese politisch ertüchtigen. Er denkt und fühlt sich in die Lebens- und Arbeitswelt derjenigen ein, auf die oft herabgeblickt wird, und definiert Demokratie als solidarische Gemeinschaft aller sozialen Schichten. ...'

    Axel Honneth: Der arbeitende Souverän. Eine normative Theorie der Arbeit. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2023. 397 S.

  18. : zeit.de:

    Lieber etwas länger arbeiten?

    Wer heute in den Ruhestand geht, ist fit und jugendlich wie nie – und lebt immer länger. Was tun mit all den Jahren?
    (Abo)

    '... Der erste Rentner der Weltgeschichte war wahrscheinlich ein Römer. Genauer: ein römischer Legionär. [...]
    Das Geld stammte aus einem speziellen Fonds, der auch durch eine Steuer auf Erbschaften gefüllt wurde. Die Motivlage beschrieb der römische Historiker Sueton einst so: Augustus wolle verhindern, dass die Legionäre sich nach ihrer Entlassung aus dem stehenden Heer "Verrat und Rebellion" hingeben und damit seine Herrschaft gefährden. Sie sollten ruhiggestellt werden. ...'

    '... Dabei ist die Rente keineswegs das Paradies, für das sie oft gehalten wird. Sie ist im schlechtesten Fall ein Mittel zur Beruhigung der Massen, die mit immer größeren ökonomischen Kosten erkauft wird. ...'

    '... Wie Augustus lange zuvor fürchtete auch Bismarck, dass sich die Arbeiter angesichts der wachsenden sozialen Gegensätze radikalisierten. Sie sollten wie einst die römischen Legionäre an den Staat und seine Institutionen gebunden werden. Erst jetzt setzte eine allmähliche "Entberuflichung" der späten Lebensjahre ein, wie es der Historiker Ehmer formuliert. Dass im Alter nicht mehr gearbeitet wird, ist also im Wesentlichen eine Erfindung der Moderne. ...'

    '... Andererseits lassen sich Studien über die Zufriedenheit ungefähr so zusammenfassen: Mit Beginn der Rente steigt das subjektive Glücksempfinden zunächst, man freut sich auf den ungebundenen Lebensabschnitt. Experten sprechen von einer "Flitterwochenphase" des Rentnerlebens. Im Laufe der Jahre geht die Lebenszufriedenheit aber wieder zurück. Dies könnte damit zu tun haben, dass es auf die Dauer möglicherweise nicht leicht ist, in einer Arbeitsgesellschaft den Tag ohne Erwerbsarbeit auszufüllen (siehe weiter unten). Nicht jeder findet Erfüllung darin, einen Roman zu schreiben oder auf die Enkelkinder aufzupassen. Und ohne die Fähigkeit zur Selbstorganisation kann die Rentenzeit zur Hölle werden. Denn auch das zeigt die Forschung: Wer vor der Rente Probleme hatte, sozialen Anschluss zu finden, der tut sich damit im Ruhestand erst recht schwer. ...'

    '... Ist es nicht ohnehin seltsam, dass dank der Rente ein sehr großer Teil der freien Zeit auf das Ende des Lebens verschoben wird? Wer 40 Jahre arbeitet, kommt im Schnitt auf insgesamt 240 Urlaubswochen, dem gegenüber stehen 1040 Wochen Freizeit bei einem Rentenbezug von 20 Jahren. ...'

  19. : zeit.de:

    Erfüllung heißt: Tun, wozu man begabt ist. Gerade im Alter


    (Abo)

    '... Auf dem Alter ruhen große Hoffnungen, jedenfalls in den Mittelschichten der Gesellschaft. Alter bedeutet nicht mehr erschöpftes Ausruhen nach einem Arbeitsleben, das alle Kräfte aufgezehrt hat, es bedeutet – im Gegenteil – die Aussicht auf eine Art festlicher Dauerferien, angefüllt mit süßem Nichtstun oder abenteuerlichen Hobbys. Ein wunderbarerweise vom Staat durchfinanziertes Sabbatical, in dem man alles machen kann, was man immer schon wollte. ...'

    '... Heute garantieren Renten zwar nicht mehr, wie noch vor dreißig Jahren, finanzielle Unbeschwertheit, mehr als ein Viertel der Ruheständler haben ein monatliches Nettoeinkommen von unter tausend Euro. Das ist kein Spaß. Aber für die oberen drei Viertel eröffnen die Altersbezüge – mit ein paar Ersparnissen und vielleicht der einen oder anderen Immobilie – eine lange Freizeitphase des Lebens. ...'

    '... Je unbefriedigender das Berufsleben, desto größer die Neigung, alles, was man sich versagt hat oder versagen zu müssen glaubte, auf die Rentenzeit zu verschieben. Jetzt muss es klappen mit der Selbstverwirklichung! ...'

    '... Denn das Alter ist nicht nur ein Phänomen des Körpers, sondern auch der Seele, und diese kann von der Last des gelebten Lebens, den Erinnerungen, Erfahrungen, Niederlagen, Anspannungen, beschwerter sein, als das Körpergefühl es vorgaukelt. Der Körper ist oft fitter als der Geist, das ist eine Wahrheit, die nach Kräften beschwiegen wird (auch wenn die Angst vor Alzheimer und Demenz umgeht). ...'

    '... Doch nicht alle träumen vom Neustart im Alter. Viele träumen auch nur davon, dass es endlich ein Ende hat mit den Querelen am Arbeitsplatz, mit dem begriffsstutzigen Chef, den missgünstigen Kollegen, den quengelnden Kunden. Aber gerade diese bescheidenen Träume sind die am wenigsten haltbaren. Ein paar Monate vergehen, und der Ärger beginnt zu fehlen. Wo bleibt das Schrillen des Telefons, das Dauerping frischer E-Mails? Kein Adrenalinstoß, kein Grund, unter der Dusche zu fluchen, kein unerschöpflicher Gesprächsgegenstand in allen funkelnden Facetten des Büroflurverdrusses. ...'

    '... Alles, was im Ruhestand gemacht wird, könnte ebenso gut unterlassen werden. Das ist das kleine schmutzige Geheimnis der Altersfreizeit. Die Rente kommt so oder so – das ist gut für den Schlaf, aber schlecht fürs Aufstehen. Nach einigen Jahren haben Pensionäre oft dasselbe Problem wie Dauerarbeitslose: Sie können sich zu nichts mehr aufraffen. Selbst Dinge, die zuvor gehetzt und nebenbei erledigt wurden, türmen sich nun, da Zeit im Überfluss vorhanden ist, zu kaum bewältigbaren Aufgaben. ...'

    '... Welchen Sinn haben überhaupt Dinge, die man bloß für sich selber tut? ...'

    '... Wo also hin mit der Tatkraft, die vielleicht noch vorhanden ist, sich aber nicht damit zufriedengibt, ein Privatleben mit privaten Wunscherfüllungen auszupolstern?
    Darum schlägt im Alter die Stunde des Ehrenamts. ...'

    '... Wer Herausforderung und Belastung sucht, ist hier an der richtigen Stelle. Das Ehrenamt bringt alle schmerzlich vermissten Querelen des früheren Berufslebens zurück, den Kampf der Eitelkeiten, des Ehrgeizes, der Besserwisserei. Ehrenämter können sogar echtes Burn-out hervorbringen und an den Rand der Erschöpfung führen. Aber was sie geben, ist Anerkennung, Genuss der eigenen Leistungsfähigkeit, ein Gefühl des Gebrauchtwerdens – das oft gar kein Gefühl ist, sondern Einsicht in echte Notwendigkeit.
    Gemeinnütziges Engagement erlöst von dem Alterserlebnis der Überflüssigkeit. ...'

  20. : zeit.de/arbeit:

    "Die Existenzängste der Mittelschicht könnten Vergangenheit sein"

    1000 Euro im Monat bekommen, ohne etwas tun zu müssen? Ein Grundeinkommen sei eher möglich als viele denken, sagt der Soziologe Jürgen Schupp. Und warnt vor einem Irrtum.
    (Abo)

    "Bislang galt immer: Jede Arbeit ist besser als Langzeitarbeitslosigkeit. Dadurch mussten viele Menschen Jobs machen, die sie entwürdigend fanden."

    "Gerade junge Menschen sind offen für ein neues Sozialsystem."

    "Durchschnittsverdiener würden vermutlich kaum etwas von 1000 Euro Grundeinkommen übrig haben."

    "Jobs ablehnen zu können, ist der Charme des Grundeinkommens"

    "Menschen würden Jobs ablehnen mit schlechten Löhnen und Arbeitsbedingungen – aber sie würden trotzdem noch etwas tun."

    '... ZEIT ONLINE: Schon jetzt monieren Kritiker des Grundeinkommens, dass sie nicht Steuern zahlen wollen für ein System, in dem andere sich ohne eigene Leistung finanzieren lassen.
    Schupp: Gäbe es mehr Forschung, ließe sich diese Sorge vielleicht beseitigen – indem sie zeigt, dass es bei der großen Mehrheit eben doch eine eigene Leistung für die Gemeinschaft gibt. Es kann am Ende aber auch die Erkenntnis stehen, dass das Grundeinkommen doch nicht geeignet ist als große Hoffnung unseres Sozialsystems. ...'

  21. : jacobin.de:

    Keine Arbeit ist auch keine Lösung

    Manche Linke wollen die Arbeit abschaffen. Sozialistinnen und Sozialisten wollen sie verändern.

    '... Im Jahr 1983 war die besagte Gruppe jedoch der Auffassung, die Bezeichnung »Tag der Arbeit« sei überflüssig. Auch wenn die holländische Regierung den Tag – hauptsächlich wegen der zeitlichen Überschneidung mit dem »Tag der Königin« am 27. April – nie als Feiertag anerkannt hatte, blieb er für linke Parteien von Bedeutung und wurde mit großen Demonstrationen und Feierlichkeiten in holländischen Städten begangen. Die Gruppe schlug vor, den 1. Mai zum »Tag gegen Arbeitsethos« (Dag tegen het arbeidsethos) umzubenennen und mit ihm den Aufbruch in eine Welt zu feiern, in der die Menschheit von der »Pflicht zur Arbeit« ein für alle Mal befreit sein würde. Zu Beginn des Jahres hatten bereits einige Mitglieder im Amsterdamer Kino Rialto die »Niederländische Vereinigung gegen Arbeitsethos« (Nederlandse Bond Tegen het Arbeidsethos) gegründet, die es sich zur Aufgabe machte, den »freiwillig Arbeitslosen« (bewust werklozen) eine Stimme zu geben. ...'

    '... Die Opposition der etablierten Linken milderte die Ambitionen der Vereinigung gegen Arbeitsethos jedoch kaum. In den 1980er Jahren wuchs die Vereinigung zu einer der lautesten Stimmen der Anti-Arbeits-Bewegung an und gab das monatlich erscheinende Magazin Luie Donder (Die Stinkfaulen) heraus. Somit stimmte sie in den stetig wachsenden Chor derjenigen Linken ein, die glaubten, dass die »Gesellschaft der Arbeit« ihr Ende gefunden hatte. ...'

    '... Die Gegner der Arbeit wähnen die empirischen Beweise auf ihrer Seite. »Die überwältigender Mehrheit der Menschen«, so schreiben Srnicek und Williams, »sieht in ihrer Arbeit weder Sinn noch Erfüllung oder Erlösung«, sondern »einfach nur etwas, das die Rechnungen bezahlt«. ...'

    '... Als erstes wirft die anhaltende Unfähigkeit, die Begriffe »Arbeit«, »Einsatz« und »Beschäftigung« sinnvoll voneinander zu unterscheiden, Zweifel auf. Es ist natürlich äußerst kompliziert, sie in unserer derzeitigen Gesellschaft auseinanderzuhalten. ...'

    '... Der platonische Hass auf die Demokratie und auf die Arbeit sind also untrennbar miteinander verbunden.

    Die Historikerin Ellen Meiksins schreibt dazu: »Es besteht kein Zweifel daran, dass die griechischen Gegner der Demokratie wie Platon, Xenophon und sogar Aristoteles eine tiefe Abneigung gegen Erwerbsarbeit und diejenigen, die genötigt waren sich damit abzugeben, hegten … Schwierig wird es allerdings, wenn diese aristokratischen Abneigungen als repräsentativ für den Ethos der gesamten Athenischen Bevölkerung angenommen und sogar auf die Arbeitenden bezogen werden, die die hauptsächliche Zielscheibe antidemokratischer Haltungen waren. Diese Tendenz zur Generalisierung eigentlich rein aristokratischer Haltungen gibt es über alle ideologischen Grenzen hinweg und sie spielt eine wichtige Rolle in konservativen Geschichtsschreibungen.« ...'

    '... »Arbeitsethos« war ein Grundpfeiler radikalen Denkens seit der frühdemokratischen Bewegung der Levellers und Diggers, um die »einfachen Leute« gegen aristokratische Rentiers, unverbesserliche Bourgeois und wuchernde Grundbesitzer zusammenzubringen. ...'

    '... Die Post-Arbeits-Bewegung bringt sich also durch ihren Versuch das »Arbeitsethos« zu überwinden in einen massiven strategischen Nachteil. Da die Abwesenheit von Arbeit in unserer Gesellschaft dermaßen stark mit Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht wird, ist es sehr schwer, Menschen davon zu überzeugen, dass der Bezug von Arbeitslosengeld eine emanzipatorische Wirkung haben soll. Genau das war natürlich die Absicht der »freiwillig Arbeitslosen«: Sie wollten der Arbeitslosigkeit den Makel nehmen und ein Leben jenseits der Lohnabhängigkeit vorstellbar machen. ...'

    '... Die Reaktion der Post-Arbeits-Bewegung auf die Gräuel der Arbeit tendiert demnach dazu, sich der amourösen Beziehung ganz und gar zu entziehen und eine sicheres Dessinteresse an dessen Stelle zu setzen. Anstatt also eine Welt zu schaffen, in der die Voraussetzungen für Missbrauch keine Chance mehr haben, wollen sie den gesamten morschen Überbau der »Arbeit« ein für alle Mal loswerden. ...'

    '... Was Konservative an Arbeit interessiert, ist demnach nicht die Möglichkeit der Selbstbestimmung, sondern die Hochachtung vor Autoritäten, die aus ihr entspringt. ...'

    '... Aber »Arbeit, bei der man unterwürfig sein muss, ist keine echte Arbeit«, wie es mit der amerikanischen Historiker James D. Steakley einmal formuliert hat. ...'

    '... Nehmen wir einmal an, die Gesellschaft hätte sich komplett von den Motiven des Marktes losgesagt und niemand müsste noch seine Arbeitskraft verkaufen, um überleben zu können. Auch in dieser Situation stellen wir uns möglicherweise noch die Frage, ob es machbar (oder gar erstrebenswert) wäre, dass jedwede Tätigkeit in reiner Spontanität ausgeführt werden könnte, während Maschinen die Drecksarbeit übernehmen würden. ...'

    '... Das erklärt auch ihren Hang zu einer der meist diskutierten gesellschaftlichen Maßnahmen unserer Zeit – dem sogenannten »Grundeinkommen«. Schon 1979 charakterisierte Michel Foucault Milton Friedmans Vorschlag einer negativen Einkommenssteuer (konzeptuell dem Grundeinkommen sehr ähnlich) als eine »weniger disziplinarische und autoritäre« Form der Wohlfahrt. Wie Foucault selber befand, wäre es mit so einem garantierten Einkommen »den Menschen selbst überlassen, zu arbeiten, wenn sie wollen, und nicht zu arbeiten, wenn sie nicht wollen«. Das wiederum impliziere auch »die Möglichkeit, niemanden zur Arbeit zu zwingen, der kein Interesse daran hat«. Friedman könnte damit der Linken im Westen dabei assistieren, die Wohlfahrt von einem »disziplinarischem« in ein »libertäres« Modell umzuwandeln. ...'

  22. : de.wikipedia.org:

    Knappheit

    '... Knappheit (englisch scarcity) ist in der Volkswirtschaftslehre das Missverhältnis zwischen den unbegrenzten Bedürfnissen der Menschen und den zu ihrer Bedürfnisbefriedigung begrenzt zur Verfügung stehenden Gütern und Dienstleistungen. Das Gegenteil ist der Überfluss. ...'

    Überflussgesellschaft
    '... Überflussgesellschaft (engl. affluent society) bezeichnet – umgangssprachlich oft abwertend – eine von materiellem Überfluss für breite Bevölkerungsteile geprägte Gesellschaft. ...'

  23. 2000: Hans-Peter Krebs und Harald Rein (Hrsg.): Existenzgeld

    Inhaltsverzeichnis
  24. 1997: Definition aus „Der Brockhaus in fünfzehn Bänden“: Arbeit

  25. 1994: Ulrike Kress: NES

300 PDFs zum bGE (1798 - 2019)

  1. : GBS St. Gallen:

    Robin Schläpfer, Maurin Zingg, Jean-Loup Letourneau: Bedingungsloses Grundeinkommen (56 S.)

    Einfluss der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens auf die Schweizer Gesellschaft
  2. : Deutscher Bundestag:

    Petitionsausschuss: '... Sehr geehrter Herr N., (5 S.)

    der Deutsche Bundestag hat Ihre Petition beraten und am 09.12.2012 beschlossen: Das Petitionsverfahren abzuschließen. ...'
  3. :

    Wolfgang Heimann: Einkommen- vs. Konsumsteuer (16 S.)

    Eine steuerliche Lockerungsübung in Richtung bedingungsloses Grundeinkommen
  4. : Das Goetheanum:

    Kovce: Die neue Schweiz (2 S.)

    Am 19. März 2011 fand im traditionsreichen Kongresshaus Zürich eine mit 600 Teilnehmern restlos ausgebuchte Grundeinkommenskonferenz statt. Unter dem Motto ‹Die neue Schweiz› diskutierten Prominente aus Politik, Wirtschaft,Wissenschaft und Kunst die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens, besonders als schweizerische Perspektive. Philip Kovce war in Zürich dabei und berichtet.
  5. : Öst. Netzwerk Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt - B.I.E.N - Austria:

    Newsletter (5 S.)

  6. :

    Erfahrungen mit Grundeinkommen (2 S.)

    '... In meinem Leben hatte ich schon mehrfach verschiedene Erfahrung mit unterschiedlichen Formen eines Grundeinkommen gemacht, sowie auf dem Arbeitsmarkt. Angefangen hat das Ganze, als ich 18 Jahre alt wurde und eine 6-stellige DM-Summe in meine Verfügungsgewalt überging. ...'
  7. : Frankfurter Rundschau:

    "Die notwendigen Sozialleistungen dürfen die Aufnahme von Arbeit nicht unattraktiv machen." (2 S.)

    Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble im Interview mit der Frankfurter Rundschau
    '... Dieses Land gibt einschließlich der Sozialversicherungen etwa eine Billion Euro Sozialleistungen im Jahr aus. Das sind im Durchschnitt 12.500 Euro pro Kopf der Bevölkerung. Da muss man schon die Frage stellen, ob wir die Effizienz unserer Sozialleistungen nicht verbessern können. ...'
  8. : Frankfurter Rundschau:

    "Die notwendigen Sozialleistungen dürfen die Aufnahme von Arbeit nicht unattraktiv machen." (2 S.)

    Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble im Interview mit der Frankfurter Rundschau
    '... Dieses Land gibt einschließlich der Sozialversicherungen etwa eine Billion Euro Sozialleistungen im Jahr aus. Das sind im Durchschnitt 12.500 Euro pro Kopf der Bevölkerung. Da muss man schon die Frage stellen, ob wir die Effizienz unserer Sozialleistungen nicht verbessern können. ...'
  9. :

    Josef Bordat: Das bedingungslose Grundeinkommen und die Kultur der Beschäftigung. (20 S.)

    Historische und systematische Überlegungen zum Verhältnis von Arbeit und Leben
    Abstrakt
    Ausgehend von den politischen und anthropologischen Vorstellungen der Antike (Platon, Aristoteles) und den Konsequenz der liberalistischen Wirtschaftstheorie für die Arbeitswelt (Locke, Smith) werden alternative Ansätze für eine gerechtere Verteilung der Arbeit im Utopismus (Morus, Campanella, Skinner) sowie daraus resultierende sozialphilosophische Modelle für eine Neudefinition der Arbeit im Sinne komplexer Beschäftigungsformen und einer Entkopplung vom Erwerb behandelt (Gorz, Taureck).
  10. : Bundesagentur für Arbeit:

    Antwort Kundenreaktionsmanagement: Ihr Antrag auf bedingungsloses Grundeinkommen (1 S.)

    '... Die BA bittet alle Bürgerinnen und Bürger davon abzusehen, Anträge nach Nürnberg zu senden. Diese Anträge entbehren jeder Grundlage. ...'
  11. : Universität Hamburg:

    Sören Kiel: State Bonus und Social Credit (122 S.)

    Zwei frühe Grundeinkommensvorschläge in diskurstheoretischer Perspektive
  12. :

    Arbeit neu begreifen (52 S.)

    Sozialpolitisches Grundlagenpapier des Kolpingwerkes Deutschland
  13. : BIEN - Basic Income Earth Network:

    Newsflash 53 (13 S.)

  14. :

    Götz Werner, Ludwig Paul Häußner, André Presse: Wohlstand für alle durch Einkommen für alle? (6 S.)

    '... Preisniveauneutraler Effekt einer Mehrwertsteuererhöhung bei gleichzeitiger Senkung des Nettopreises wegen des Sinkens bestimmter Steuern/Abgaben ...'
  15. : Initiative Grundeinkommen Ulm:

    BGE-Flyer (2 S.)

  16. : BGE-Flyer:
  17. : Herder:

    Michael Schramm: Trampolin, kein Sofa (5 S.)

    Ein „Solidarisches Bürgergeld“ ist das Gebot der Stunde
  18. :

    Das Solidarische Bürgergeld – Analysen einer Reformidee (150 S.)

    Herausgegeben von Michael Borchard im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung
    Mit Beiträgen von Dieter Althaus, Michael Opielka, Wolfgang Strengmann-Kuhn, Alexander Spermann, Joachim Fetzer, Michael Schramm und Matthias Schäfer
  19. :

    Stephan Kundinger / Theophil Wonneberger: Das Grundeinkommen: Droge oder Lebensmittel? (4 S.)

    Während sich erste Ministerpräsidenten der CDU für ein Grundeinkommen erwärmen, wettert der Spitzenkandidat der Berliner Humanwirtschaftspartei Johannes Heinrichs dagegen und bezeichnet das Konzept als »Pseudo-Utopie«.
  20. : Berlin:

    „Rettet den Reichtum“ (1 S.)

    In den Veranstaltungen geht es um die Geschichte des „Arbeitszwangs“ von den ersten Arbeitshäusern über Notstandsarbeit, Arbeitsdienst, Zwangsarbeit bis zum aktuellen Ein–Euro-Job.
  21. :

    Katrin Mohr: Grundeinkommen als Grundlage sozialer Inklusion (4 S.)

    Der Text stellt die ausgearbeitete Version ihres Vortrags im Workshop „Grundeinkommen und soziale Inklusion“ auf der Konferenz „Grundeinkommen. In Freiheit tätig sein“ am 7.-9. Oktober 2005 in Wien dar.
  22. : Frankfurter Rundschau:

    "Wir können den Menschen von der Arbeit befreien" (2 S.)

    Der Chef der Drogeriemarktkette DM, Götz Werner, über Lohnnebenkosten, Arbeitslosigkeit, Einkommensteuer und seine Vision von einer Gesellschaft, die nicht mehr die Erwerbstätigkeit in den Mittelpunkt stellt
  23. :

    Katja Kipping, Michael Opielka, Bodo Ramelow: „Sind wir hier bei ‚Wünsch dir was?’“ (4 S.)

    Thesen für einen neuen Sozialstaat. Sozialpolitischer Realismus statt Markt- und Staatsideologie. Thinkful wishing statt wishful thinking!
  24. : Frankfurter Rundschau:

    Eine Gefahr für die Demokratie (2 S.)

    Keine Reform geht tief genug - notwendig wäre die Umgestaltung des Sozialstaats jenseits der Erwerbsarbeit
  25. :

    Dirk Hauer: Ohne Wenn und Aber (2 S.)

    Teile von Attac präsentieren das bedingungslose Grundeinkommen als "Richtungsforderung"
  26. : Grüne:
    1. : Die Zeit:

      Thea Dückert: Eine Grundsicherung für die Kinder (2 S.)

      Statt mit einem Wirrwarr von Maßnahmen die Familien zu fördern, sollte der Staat den Eltern pro Kind 300 Euro zahlen. Bedingungslos
  27. : Alemantschen. Materialien für radikale Ökologie:

    Klaus-Uwe Gerhardt / Arnd Weber: Garantiertes Mindesteinkommen (31 S.)

    Aus der Gruppe junger Wirtschaftswissenschaftler am Lehrstuhl von Prof. Dr. Bertram Schefold an der Universität Frankfurt/Main entstanden Anfang der 1980er die „Alemantschen“. Es ist eine Wortschöpfung aus Alemannen und Comanche, die aus der ostkalifornischen Wüste entstammen und den Vormarsch der Spanier stoppten. Die Alemantschen trugen, statt daran zu verzweifeln, zahlreiche Fakten über das gescheiterte keynesianische Projekt, die Rolle der Jugend und den Weltkrieg gegen die Umwelt zusammen und entwarfen Alternativen. U. a. waren dabei: Georg Beck, Jürgen Bonn, Klaus-Uwe Gerhardt, Carlo Jaeger, Klaus Keding, Ruedi Lüscher (†), Gudrun Reinhardt, Markus Rohner, Meinrad Rohner-Wigand, Vreni Schwarzenegger, Arnd Weber, Hannelore Wegener, Susanne Wegener, Gisela Weise, Cornelia Wicht, Margot Wigand und Karin Wittstock (kommentiert von KUG am 31.03.2007).